Theresa Rath

Autorin


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Auf der Yogamatte

Seit ich so unglücklich bin, gehe ich öfter zum Yoga. Dort lasse ich mich sechzig Minuten von Klangschalenmusik beschallen, während ich tief ein und ausatme. Manchmal glaube ich selbst für Momente, dass es hilft. Ich lasse mich mit meiner ganzen Seele in die beruhigenden Töne hineinfallen, lasse meine Schultern mit jedem Atemzug mehr in den Boden schmelzen. Ich denke nicht an meine Arbeit, nicht an meinen Laptop, den ich morgen pünktlich um neun wieder im Coworkingspace aufklappen werde, um eine Studie nach der anderen zu analysieren, in dem überheblichen Glauben, ich könnte meinen Teil zur Weltrettung beisteuern. Ich denke nicht an meinen Vater, der hunderte Kilometer entfernt ganz ohne Yogamusik um jeden Atemzug ringt. Ich denke nicht an meine Mutter, die schon längst vergessen hat, was Yoga eigentlich ist, und sich gerne daran erinnern würde, wie sie in ihr jetziges Leben hineingeraten ist. Vielleicht denke ich an meinen Therapeuten, der mir einmal wöchentlich von neun bis zehn Uhr sagt, dass es okay ist, wenn ich mich nicht gut fühle und nicht aufstehen will. Manchmal gibt er mir Prospekte mit: Zum Selbst zurückfinden – Qigong in Berlin Mitte, Nähe Rosenthaler Platz. Oder: Dein inneres Zentrum erwecken – Chakrameditation in Prenzlauer Berg. Ich falte Papierflieger aus den Flyern und denke daran, dass ich sie wieder aus meiner Sporttasche kramen sollte, wenn ich auf meiner Yogamatte liege, unzureichend gewärmt von einer dünnen Flanelldecke von Ikea. Ich atme und atme und schiebe einen lästigen Gedanken nach dem anderen aus meinem Bewusstsein, wie vorbeiziehende Wolken. Ich denke nicht an meine kleine Schwester, die alleine in ihrem Kinderzimmer sitzt, halb Kind, halb Frau, und versucht, nicht zu viel Alkohol zu trinken. Ich denke nicht an Alkohol. Ich bäume meinen Körper in einer Brücke auf, weite meinen Brustraum, und spüre tief in mich hinein, lasse alles los, was ich nicht mehr brauche, gebe alles ab, was mir nicht guttut, komme zu mir, und denke dabei nicht daran, was „ich“ momentan alles bin. Morgens stehe ich auf und mixe mir einen Smoothie aus Chiasamen und frischen Zitronen, die ich gemeinsam mit den Biobananen im Zustand äußerster Bewusstheit in meinen Jutebeutel gelegt habe. Nach dem ersten Kaffee im Coworkingspace steige ich auf Tee um, den es zum Glück umsonst gibt. Am Abend setze ich mich auf mein Sofa und lese ein Buch, das heißt: Qigong, Wege zum Glück. Oder: Mein Astralkörper – Die ultimative Selbstbelebung. Ich treffe meine Freunde in Cafés, in denen wir Ingwertee bestellen, und denke nicht an all die Vorsorgeuntersuchungen, die ich in den letzten Monaten versäumt habe, nicht an die Übelkeit, die sich konstant in meinem Magen breitmacht. Im Internet betrachte ich Bilder von nachhaltig produzierten Hochzeitskleidern (Jute) und denke nicht an den Streit, den ich am gestrigen Abend mit meinem Freund hatte, denn sicher liegt es nur daran, dass wir noch nicht die geistige Erneuerung gefunden haben (Transzendentale Meditation TM von Yogi Maharishi Mahesh). Am Abend betrinke ich mich mit Bachblüten und werfe ein paar homöopathische Zuckerperlen ein, wenn es zu schlimm wird. Ich rauche nur noch Kamillentee. An schlechten Tagen lasse ich mir ein Mandala tätowieren, das mich gemeinsam mit dem Anhänger aus schwarzem Turmalin um meinen Hals vor schlechten Energien schützt. Ich tue ALLES. Und verdammt: Auf meiner Yogamatte überkommt mich der heftige Wunsch, meiner Yogalehrerin ins Gesicht zu springen. Dafür kann sie absolut – nichts. Yoga ist gut. Systemische Therapie ist gut. Reiki und Reinkarnationssessions und alternative medizinische Behandlungen und kein Alkohol und kein Tabak und straight edge und Veganismus und all die anderen Dinge sind gut. Ich finde sie sogar super. Interessant. Ausprobierenswert. Aber, und das ist ein großes Aber, in dieser Welt, in der wir jeden Tag damit konfrontiert sind, dass diese Welt, wie wir sie kennen, eventuell bald nicht mehr fortbestehen könnte, in der Menschen in schrecklichen Kriegen und an grausamen Krankheiten sterben, in der ich nicht weiß, ob meine Familie morgen noch existiert oder ob ich bereits eine sich selbst recycelnde Urne bestellen sollte, in dieser Welt reicht Yoga mir nicht. In dieser Welt kommt es mir vor, als erläge ich einem weiteren Konsumprogramm, das mir auf äußerst erfolgreiche Weise suggeriert, ich müsste nur „genug für mich sorgen“, dann würde schon alles in Ordnung kommen. Und ja, ich glaube selbst daran, dass unsere Gedanken im weitesten Sinne unser Sein bestimmen und wir viel – ganz viel – selbst verändern können. Doch wohin ist die Tatsache verschwunden, dass auch Leiden, Trauern und Verarbeiten, dass Wut und Frust und Depression ihren Platz in unserer Wirklichkeit haben? Dass sie wichtig sind, wenn wir uns weiterentwickeln und Schwierigkeiten überwinden wollen? Was soll dieser ganze Kult, der uns weismacht, wenn wir nur ausreichend Programme und Kurse belegen und zahlreiche Stunden unseres ohnehin schon vollen Tages mit sogenannter „self care“ verbringen, dass dann alles einfach sein wird? Dass dann menschliche Gefühle nicht mehr nötig sein werden? Dass ich beschwingten Geistes über den Tod meiner Eltern und das Leid der Welt hinweglatschen kann? Und ist das wirklich wünschenswert? Sprechen wir nicht schon ewig alle über den überbordenden Individualismus? Und soll ich wirklich den Krebs meines Vaters, die Demenz meiner Mutter, ihre Schmerzen, die Trauer meiner Geschwister, die Angst meiner Tanten und Onkel einfach weg atmen? Soll ich mich selbst so einfach weg atmen? Oder sitze ich einem Schwindel auf, der sich perfekt einfügt in das kapitalistische Leistungssystem, in das wir uns alle verstrickt haben? Kann ich vielleicht auf meiner Yogamatte einfach mal ausfallen und in Tränen ausbrechen? Darf ich aus dem herabschauenden Hund den zusammengebrochenen Hund machen? Aus der Kobra den Wurm, der es für einen Tag nicht einmal mehr schafft, sich auf den Unterarmen aufzurichten, weil er keine hat? Wäre das vielleicht auch eine Option? Ich glaube: Wenn wir dem, das uns auffrisst, ab und zu den Raum geben, sich Bahn zu brechen, ohne dabei dauerhaft in einer Depression und dem totalen Selbstmitleid zu versinken, dann brauchen wir vielleicht auch weniger Qigong. Manchmal tut es eine Umarmung. Ein Abend Netflix, bei dem mir jemand über den Kopf streicht. Ein: Ja, Mann, das ist wirklich eine beschissene Situation. Manchmal reicht es, sich fallen lassen und für einen Moment schwach – ein Mensch – sein zu können. Und wenn ich das darf, dann gehe ich auch gerne wieder zum Yoga.


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Lesung aus „Liberdade“ – TresenLesen bei Periplaneta

Am Freitag, den 08. Oktober ab 19.30 Uhr lese ich endlich einmal wieder live bei Periplaneta in der Bornholmerstraße 81a in Berlin. Ich werde meinen in diesem Jahr erschienenen Roman „Liberdade“ vorstellen:

Tickets für das Event bekommt ihr hier: https://www.periplaneta.com/Produkt/editionen/editionmundwerk/ticket-tresenlesen-periplaneta-berlin/


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Liberdade (Roman) – OUT NOW!

Ab jetzt könnt ihr überall meinen Roman „Liberdade“ bestellen.

Hier der Klappentext:

Die angehende Medizinerin Anna flieht aus ihrer vermeintlich heilen Welt nach Brasilien. Die ersten Wochen, die sie in Rio de Janeiro verbringt, übertreffen all ihre Vorstellungen. Sie lernt neue Menschen und Lebensweisen kennen und beginnt ihr bisheriges Leben zu hinterfragen.
Gabriel führt sie in eine Welt, die ihr frei und leicht erscheint. Und so merkt sie nicht, wie aus anfänglichen Vergnügungen Gewohnheit wird und der Mann, in den sie sich verliebt hat, sich schleichend verändert. Unaufhaltsam verstrickt Anna sich in ein Geflecht aus Gewalt, Drogen und Kriminalität. Was ihr zu Beginn als Freiheit erschien, verkehrt sich in ihr Gegenteil. Als ihr schließlich klar wird, dass sie sich ihren Dämonen stellen muss, die sie in diese Situation getrieben haben, ist es womöglich schon zu spät.

Theresa Rath analysiert in „Liberdade“, was uns antreibt, sie schreibt über die Allgegenwärtigkeit der Sehnsucht nach Liebe und einem Zuhause und über Selbstwert. Und sie erzählt über Männer, Frauen und Gewalt.

Ihr könnt auch unter https://www.lovelybooks.de/autor/Theresa-Rath/Liberdade-2928729631-w/leserunde/3008976252/3008982318/ an einem Gewinnspiel teilnehmen und mit etwas Glück ein Gratisexemplar gewinnen.

ISBN-10 ‏: ‎ 3959961855
ISBN-13 ‏: ‎ 978-3959961851 (Wenn ihr gerne auf dem Kindle lest, gibt es den Roman natürlich auch als E-Book.)


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Alzheimer

Manchmal frage ich mich, warum es so wehtut. Warum tut es so weh, wenn du nicht mehr alleine einkaufen gehen oder dich anziehen kannst. Worum geht es da überhaupt? Warum ist es so wichtig, dass du funktionierst, dass du den gesellschaftlichen Ansprüchen gerecht werden kannst? Eigentlich glaube ich, ist mir das egal. Meinetwegen musst du deine Einkäufe nicht selbst machen, du musst nicht in der Lage sein, mich mit dem Auto vom Bahnhof abzuholen, und wenn ich dir morgens dein Brötchen schmieren muss, weil du es nicht kannst, dann ist das eben so. Aber ich vermute, es geht viel tiefer. Denn da sind nicht nur die Funktionen, die wegfallen, die Möglichkeiten und Notwendigkeiten, das alltägliche Leben irgendwie zu bewerkstelligen. Es ist etwas Anderes, das mich so tief trifft: Dein verlorener Blick, wenn ich im Supermarkt kurz in einer Regalreihe verschwinde, um ein Produkt in den Korb zu werfen, und dann beim Umkehren sehe, dass du nicht mehr weißt, wo ich bin, und auch nicht mehr, wo du bist. Deine Hand, die in der Fußgängerzone nach mir greift, weil in deiner Wahrnehmung um dich herum ein nicht bezähmbares Chaos losgebrochen ist. Deine Tränen am Morgen, wenn du die Post öffnest und keine Ahnung hast, wie du auf die endlosen Formulare reagieren sollst. Mein Finger, der auf den schmalen Strich neben dem Datum zeigt, dort, wo du unterschreiben sollst, und den du nicht erkennen kannst. Die Wege, die in deinem Geiste verschwimmen und dich immer in die Irre führen, während ich steif und fest behaupte, dass wir in die falsche Richtung fahren, bis du in einem Anfall von Wut und Verzweiflung beginnst, mich anzuschreien. Das ist Wahnsinn, denselben Weg zurückzufahren, sagst du. Und mein Navigationssystem sagt mir, dass es der einzige Weg ist, der uns zurück nach Hause führt. Ich möchte weglaufen, deinem Vergessen entfliehen, und dich gleichzeitig mit meinem ganzen Körper, meiner ganzen Seele, meinem Geist umfangen, dich festhalten, damit du dir nicht länger selbst durch die Finger rinnst. Ich möchte dir sagen, dass alles gut ist, und ich sage es dir, aber du hast völlig Recht, wenn du dagegenhältst und immer wieder wiederholst: Nichts ist gut. Nichts. Denn das ist es nicht. Es ist nicht gut, dass du dich langsam auflöst, und es ist nicht gut, dass ich absolut nichts dagegen tun kann, und es ist nicht gut, dass du allein bist auf weiter Flur, in einer Welt, in die ich dir nicht folgen kann und in der alles auf links gedreht ist, sodass ich es nicht verstehen kann, während du davon überzeugt bist, mit mir in ein und derselben Sprache zu kommunizieren. Ich will dich auffangen, aber irgendwie bin ich immer noch so klein und du so groß, du bist immer noch meine Mutter und ich nur dein Kind, und alle meine Kräfte reichen nicht aus, um dem entgegenzutreten, mit dem du konfrontiert bist. Machtlos, ohnmächtig sehe ich dabei zu, wie dein Sandwich zwischen deinen Händen zerfällt, weil du nicht mehr erkennen kannst, was Brot und was Teller ist, wo vorne und wo hinten, wo dein Arm in den Ärmel gehört und wo deine Zahnbürste steht. Manchmal werde ich wütend, aber das nur, weil ich so hilflos bin dieser übermächtigen Kraft gegenüber, die dir deine Sinne, deinen Verstand und deine Orientierung raubt. Manchmal will ich dich anschreien, wenn du stöhnend und seufzend und an deinen Fingern knibbelnd ruhelos durchs Haus tigerst, ich will dich anhalten, dich zwingen, dich zu fokussieren, dich an den Schultern packen und schütteln: „Jetzt reiß dich mal zusammen, werde endlich wieder du selbst.“ Aber ich weiß zugleich, dass das nicht fair wäre, du hast dir diese Situation so wenig ausgesucht wie ich, und du gibst dein Bestes, so wie ich meines. Leider ist unser Bestes niemals gut genug. Manchmal empfinde ich eine tiefe Ruhe deiner Krankheit und unserer Situation gegenüber. Ich erkenne die Aufgabe an, die das Leben mir stellt, und bin mir sicher, dass auch du etwas lernst. Ich verspüre Frieden. Doch manchmal brennt auch der Schmerz so stark, so heftig, dass ich mich winde und am liebsten jemand anders wäre. Ich stelle mir die tausend Arten vor, wie ich dich noch verlieren könnte, und eine jede scheint mir barmherziger als die, die wir erleben. Ich will dich beschützen – und ich kann nicht. Das einzige, was ich tun kann, ist bei dir zu bleiben, geduldig in jedem Moment zu erklären, was gerade passiert, und diese Erklärung zu wiederholen, bis du sie vergessen hast und etwas Anderes wichtig ist. Ich kann dich lieben, so wie ich es als deine Tochter immer schon getan haben, und hoffen, dass meine Liebe den Nebel durchdringt, der dich umgibt. Ich kann mit dir lachen in den Momenten, die nicht schwer sind, und jeden Moment wertschätzen, der mir mit dir geschenkt wird. Manchmal denke ich an die Ewigkeit. Ich denke an all das, was wir bereits waren und noch sein werden, an den ewigen Kreislauf des Lebens, der neben dem Schmerz auch immer wieder Neues und Hoffnung gebiert. Dann atme ich tief durch und ergebe mich wieder in mein Schicksal, jedoch nicht von Schmerz und Trauer erfüllt, sondern voller Hoffnung. Und manchmal ist es nicht so. Manchmal tut es so weh, dass es mich fast zerreißt, dass ich von dir träume, dass das Einzige, was ich will, ist, dich nicht zu sehen, weil ich es kaum aushalten kann. All das ist Teil meines Weges, meiner Liebe zu dir und zum Leben. Und trotzdem, oft genug wünsche ich mir, diese Erfahrung wäre uns erspart geblieben. Vielleicht kann ich eines Tages wieder anders darüber sprechen – positiver, hoffnungsvoller, mit irgendeiner Message für diejenigen, denen dieser Weg noch bevorsteht. Heute jedenfalls kann ich es nicht.


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Release meines Romans „Liberdade“

Nach langem Warten wird heute endlich mein erster Roman namens „Liberdade“ veröffentlicht. Ich freue mich riesig! Zu kaufen ist er überall im Internet (Hugendubel, Thalia, Dussmann, Amazon), bei mir persönlich, im Verlag „Periplaneta“ und hoffentlich bald auch in einigen Buchhandlungen.

„Die angehende Medizinerin Anna flieht aus ihrer vermeintlich heilen Welt nach Brasilien. Die ersten Wochen, die sie in Rio de Janeiro verbringt, übertreffen all ihre Vorstellungen. Sie lernt neue Menschen und Lebensweisen kennen und beginnt ihr bisheriges Leben zu hinterfragen.Gabriel führt sie in eine Welt, die ihr frei und leicht erscheint. Und so merkt sie nicht, wie aus anfänglichen Vergnügungen Gewohnheit wird und der Mann, in den sie sich verliebt hat, sich schleichend verändert. Unaufhaltsam verstrickt Anna sich in ein Geflecht aus Gewalt, Drogen und Kriminalität. Was ihr zu Beginn als Freiheit erschien, verkehrt sich in ihr Gegenteil. Als ihr schließlich klar wird, dass sie sich ihren Dämonen stellen muss, die sie in diese Situation getrieben haben, ist es womöglich schon zu spät.Theresa Rath analysiert in „Liberdade“, was uns antreibt, sie schreibt über die Allgegenwärtigkeit der Sehnsucht nach Liebe und einem Zuhause und über Selbstwert. Und sie erzählt über Männer, Frauen und Gewalt.“


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Liebe (spanish below)

Seit ich vierzehn bin, träume ich von der Liebe. In diesem Alter ging es dabei vor allem ums Händchenhalten, den ersten Zungenkuss, darum, ob schon mal jemand zu mir „Ich liebe dich“ gesagt hat. Ich wollte einen Freund haben, um sagen zu können, dass ich einen Freund habe, denn irgendwie war die Tatsache, beziehungsfähig zu sein und auf einen Menschen des anderen Geschlechts attraktiv wirken zu können, damals identitätsstiftend. Seitdem habe ich viel über die Liebe gelernt. Und auch darüber, was Liebe nicht ist. Viele dieser Erfahrungen waren sehr schmerzhaft und haben mein Bild von der Liebe nachhaltig verändert. Vor allem aber waren diese Erfahrungen notwendig, um mich in die Lage zu versetzen, Liebe zu leben und zu erleben. Sie waren unverzichtbar, um mir über meine eigene Rolle in Beziehungen klar zu werden, meine Rolle als Frau und darüber, was ich von meinem Partner erwarten kann und was ich auf keinen Fall zulassen darf. Sie waren die Grundvoraussetzung dafür, dass ich Selbstliebe erlernte und nun – immer öfter, jeden Tag ein bisschen mehr – Liebe von ganzem Herzen geben kann, obwohl ich glaube, dass noch ein langer Weg vor mir liegt, auf dem ich mich nach und nach von den Fesseln meines Egos befreien werde. Denn Liebe ist genau das: Freigiebig.

Wenn wir jung sind, dann lernen wir als Frauen zumeist das: Liebe ist ein Ritter auf einem weißen Pferd, der uns erst zu einer vollständigen Person werden lässt. Liebe ist das, worauf es im Leben ankommt. Aber wir lernen nicht, wie Liebe sich anfühlt und womit sie sich leicht verwechseln lässt. Wir lernen nicht, dass Liebe nicht wehtut, sondern guttut. Dass Liebe nicht vom Himmel fällt, sondern Arbeit und Hingebung erfordert. Dass Liebe so viel mehr ist als die Beziehung zwischen zwei Menschen – in den meisten Fällen unterschiedlichen Geschlechts – und dass in vielen Beziehungen keinerlei wirkliche Liebe existiert. Wir lernen, dass wir uns Liebe verdienen und bestimmte Voraussetzungen erfüllen müssen, um ihrer würdig zu sein. Jahrelang beäugte ich meinen Körper aus den verschiedensten Postionen und eine Stimme in meinem Kopf schrie laut: Nicht hübsch genug. Wir lernen, nachgiebig, sanft und tolerant zu sein. Und oft kopieren wir die Muster, in denen schon unsere Mütter verstrickt waren, in unserem Versuch, liebenswert zu sein. Obwohl ich aus einer Familie voller emanzipierter, berufstätiger, kreativer, wilder und skeptischer Frauen stamme, rutschte ich ganz automatisch in bestimmte Verhaltensweisen hinein, weil ich glaubte, bestimmte Dinge akzeptieren zu müssen. Sonst würde niemand mich haben wollen. Dass Liebe nichts mit Habenwollen zu tun hat, sondern mit gegenseitigem Respekt, mit Anerkennung, mit der Bereitschaft, sich einander ganz zu öffnen und sich verletzlich zu zeigen, ahnte ich, konnte aber dem Drang in mir, der mir befahl, umgänglich, angepasst, unkompliziert zu sein, nicht widerstehen. Ich ließ mir von Männern Dinge sagen, die niemand mir zu sagen berechtigt ist: Wie ich mich kleiden solle, was sich für eine Frau gehört und was nicht. Ich schluckte die Wut hinunter, die in diesen Momenten in mir aufstieg. Ich ließ zu, dass für mich und meine Partner unterschiedliche Gesetze galten. Ich ließ zu, dass sie mein Liebesleben auseinandernahmen und hinterfragten und mich als eine Person darstellten, die ich nicht bin. Ich ließ zu, dass sie mich belogen und betrogen, und ich verzieh. Denn ich dachte, dies sei Liebe: Verzeihen. Versuchen. Nicht aufgeben.

Ich kultivierte diese Vorstellung von der Liebe, weil ich nicht alleine sein konnte. Weil ich gelernt hatte, dass eine Frau einen Mann an ihrer Seite braucht, auch wenn niemand dies jemals so klar aussprach. Weil ich glaubte, mein Ziel im Leben müsse sein, zu jemandem zu gehören. Dabei vergaß ich, dass das Ziel in erster Linie sein sollte, mir selbst gerecht zu werden. Ich ignorierte eine Red Flag nach der anderen, nur weil ich mir so sehr wünschte, geliebt zu werden. Ich stimmte Dingen zu, mit denen ich mich selbst verletzte und es mir an Respekt mangeln ließ. Alles im Namen der Liebe. In ihrem Namen akzeptierte ich Gewalt, Erniedrigung und emotionale Kälte. Doch ich hatte Glück. Mein Bild von der Liebe, wie ich sie kannte, zerbrach in dem Moment, als die Person, die mir am nächsten war, ihr wahres Gesicht zeigte. In diesem Augenblick war ich gezwungen, alles, was ich über die Liebe zu wissen glaubte, in Frage zu stellen. Ich hörte auf, an Liebe zu glauben. Und in diesem Moment begann ich, wirkliche Liebe zu empfinden. Denn Liebe ist so viel mehr als das, was zwischen zwei Partnern besteht. Sie ist überall. Sie ist in den kleinen und den großen Dingen, wenn wir sie richtig zu nehmen wissen. Sie steckt in meiner Arbeit, in jedem Wort, das ich schreibe, in dem, was ich für mich oder andere tue. Manchmal bedeutet Liebe, nein zu sagen und den Mund aufzumachen gegen die Ungerechtigkeiten, die wir um uns herum sehen. Liebe bedeutet, gut für uns selbst zu sorgen und die fiesen Gedanken, mit denen wir uns sabotieren, zu stoppen. Liebe bedeutet, im Kollektiv zu denken und einander mit Solidarität und Verständnis zu begegnen. Liebe ist, wenn wir für einen Moment Abstand von unseren eigenen Erfahrungen und unserer eigenen Wahrheit nehmen und uns in die Position des anderen versetzen. Liebe ist, nicht zu urteilen, aber dennoch Grenzen zu ziehen, wo sie für uns essentiell sind. Liebe ist die Abkehr vom Ego, der Respekt und die Demut vor dem, was das Leben uns gibt, der Glaube, dass all dies eine Bedeutung hat und die Bereitschaft, den Weg anzunehmen, der vor unseren Füßen erscheint. Liebe unterdrückt nicht, sie redet deine Gefühle nicht klein, sie muss weder verdient noch erzwungen werden. Sie kennt keine Klassen, keine Geschlechter und keine Hautfarben, kein Alter und keine Dauer. Sie kann in Allem sein, was wir tun. Liebe befreit sich von Privilegien und handelt ohne Angst. Darüber denke ich, sollten wir reden. Daran denke ich, wenn ich wieder einmal gezwungen bin, darüber zu diskutieren, warum Frauenquoten in Vorständen und gleichgeschlechtliche Ehen und unrasierte Achseln und ein Vorgehen gegen Racial Profiling unbedingt wichtig sind. Die Privilegien verhöhnen die Liebe. Aber eigentlich ist doch sie das, was wir alle immer wollten. 

Amor

Llevo soñando con el amor desde los catorce años. A esa edad, se trataba sobre todo de ir de la mano, del primer beso con lengua, de si alguien me había dicho alguna vez „te quiero“. Quería tener un novio para poder decir que tenía un novio, porque de alguna manera ser capaz de relacionarse y ser atractiva para alguien del sexo opuesto era algo que definía la identidad en ese momento. Desde entonces, he aprendido mucho sobre el amor. Y también sobre lo que no es el amor. Muchas de estas experiencias han sido muy dolorosas y han cambiado permanentemente mi visión del amor. Pero sobre todo, estas experiencias fueron necesarias para permitirme vivir y experimentar el amor. Fueron indispensables para tener claro mi propio papel en las relaciones, mi papel como mujer y lo que puedo esperar de mi pareja y lo que no debo permitir bajo ninguna circunstancia. Fueron el requisito básico para que aprendiera a amarme a mí misma y ahora -cada vez más a menudo, cada día un poco más- a dar amor de todo corazón, aunque creo que todavía queda un largo camino por recorrer en el que me iré liberando poco a poco de las ataduras de mi ego. Porque el amor es precisamente eso: generoso.

Cuando somos jóvenes, la mayoría de las mujeres aprendemos esto: el amor es un caballero en un caballo blanco que nos convierte en una persona completa. El amor es la esencia de la vida. Pero no aprendemos cómo se siente el amor y con qué se puede confundir fácilmente. No aprendemos que el amor no hace daño, sino que hace bien. Ese amor no cae del cielo, sino que requiere trabajo y devoción. Que el amor es mucho más que la relación entre dos personas -en la mayoría de los casos de sexos opuestos- y que en muchas relaciones no hay amor real. Aprendemos que debemos ganarnos el amor y cumplir ciertos requisitos para ser dignos de él. Durante años, miré mi cuerpo desde diversas posiciones y una voz en mi cabeza gritó con fuerza: No eres lo suficientemente bonita. Aprendemos a ser complacientes, amables y tolerantes. Y a menudo copiamos los patrones en los que ya estaban inmersas nuestras madres, en nuestro intento de ser ama-bles. Aunque vengo de una familia llena de mujeres emancipadas, profesionales, creativas, feroces y escépticas, me deslizaba hacia ciertos comportamientos de forma bastante automática porque creía que tenía que aceptar ciertas cosas. Si no, nadie iba a querer “tenerme”. Que el amor no tiene nada que ver con el deseo de tener, sino con el respeto mutuo, con el reconocimiento, con la disposición a abrirse completamente al otro y a mostrarse vulnerable, sospechaba, pero no podía resistir el impulso en mi interior que me ordenaba ser afable, adaptada, sin complicaciones. Dejé que los hombres me dijeran cosas que nadie tenía derecho a decirme: cómo vestirme, qué era apropiado para una mujer y qué no. Me tragué la rabia que surgió en mi interior en esos momentos. Permití que se aplicaran leyes diferentes a mí y a mis compañeros. Permití que me desarmaran y cuestionaran mi vida amorosa y que me retrataran como una persona que no soy. Permití que me mintieran y me engañaran, y perdoné. Porque pensé que eso era el amor: Perdonar. Intentar. No rendirse.

Cultivé esta idea del amor porque no sabía estar sola. Porque había aprendido que una mujer necesita un hombre a su lado, aunque nadie lo dijera claramente. Porque creía que mi objetivo en la vida tenía que ser pertenecer a alguien. Al hacerlo, olvidé que el objetivo debe ser tratarme bien a mí mismo en primer lugar. Ignoré Bandera Roja tras Bandera Roja sólo porque deseaba tanto ser amada. Accedí a cosas que me perjudicaron y me hicieron faltarme al respeto. Todo en nombre del amor. En su nombre, acepté la violencia, la humillación y la frialdad emocional. Pero tuve suerte. Mi imagen del amor tal y como lo conocía se quebró en el momento en que la persona más cercana a mí mostró sus verdadera cara. En ese momento, me vi obligado a cuestionar todo lo que creía saber sobre el amor. Dejé de creer en el amor. Y en ese momento, empecé a sentir verdadero amor. Porque el amor es mucho más que lo que existe entre una pareja. Está en todas partes. Está en las cosas pequeñas y en las grandes, si sabemos llevarlo bien. Está en mi trabajo, en cada palabra que escribo, en lo que hago para mí o para los demás. A veces, el amor significa decir no y alzar la voz contra las injusticias que vemos a nuestro alrededor. El amor significa cuidar bien de nosotros mismos y detener los pensamientos desagradables que utilizamos para sabotearnos. El amor es pensar colectivamente y tratarse con solidaridad y comprensión. El amor es cuando nos alejamos por un momento de nuestras propias experiencias y nuestra propia verdad y nos ponemos en la posición de la otra persona. El amor es no juzgar, pero sí poner límites donde son esenciales para nosotros. El amor es alejarse del ego, respetar y ser humilde con lo que la vida nos da, creer que todo tiene sentido y estar dispuesto a aceptar el camino que aparece ante nuestros pies. El amor no oprime, no disminuye tus sentimientos, no hay que ganárselo ni forzarlo. No conoce clases, ni géneros ni colores de piel, ni edad ni duración. Puede estar en todo lo que hacemos. El amor se libera de los privilegios y actúa sin miedo. De eso creo que deberíamos hablar. En eso pienso cuando me veo obligada a discutir una vez más por qué las cuotas femeninas en las empesas y el matrimonio entre personas del mismo sexo y las axilas sin afeitar y la represión de la discriminación racial son absolutamente importantes. El privilegio se burla del amor. Pero en realidad, el amor es lo que todos hemos querido siempre. 


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Live bei Alex-Mitte, 11.03.2021

Liebe Freunde,mit meinen Kollegen vom Dichtungsring bin ich morgen zum 10. Geburtstag unserer Lesebühne im Fernsehen zu sehen! Von mir gibt es Texte zum Frauentag, zu Klimawandel und Liebe. Was all das mit Schwänen zu tun hat, könnt ihr morgen selbst herausfinden. Außerdem wird es voraussichtlich einen kurzen Einblick in meinen ersten Roman geben, der noch dieses Jahr veröffentlicht wird. Hier der Link zur Veranstaltung: https://www.facebook.com/events/276770407344914/


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Postwachstumsdebatte – Podiumsdiskussion

Mal in anderer Sache: In meiner Funktion als wissenschaftlicher Mitarbeiterin an einem Nachhaltigkeits-Institut durfte ich an einer spannenden Tagung teilnehmen und im Rahmen einer Podiumsdiskussion Nachhaltigkeitsfragen der Sozialversicherungssysteme mit Blick auf einen möglichen Wechsel der Wachstumsgesellschaft zur Postwachstumsökonomie diskutieren. Mein Beitrag ist ab ca. 4:36 h zu sehen. Herzlichen Dank noch einmal an den Veranstalter für die Einladung.


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Está todo bien

Si un día tengo que dejar atrás el cuerpo que me envolvió en este viaje,
Dejarle libre a mi alma, devolverlo al todo del cual vinimos,
No quiero arrepentirme de las cosas que hice o no hice,
No quiero que mi amor se convierta en pena,
Ni quiero amargarme por oportunidades pérdidas y decisiones equivocadas,
Quiero entregarme, abrazar lo desconocido,
Abrir mis alas invisibles
Y volar
Libremente
Quiero conosolarme con que nada es eterno
Mientras todo lo es
Dejarme arropar por lo universal
Sabiendo que hice bien
Amé, reí, lloré, sentí, amé
Y que siempre era justo,
Que siempre hice lo que estaba a mi alcance
Y que mis errores formaban parte de mi aprendizaje
De las huellas que dejaré
De esta parte de mi camino que acá no termina
Y que por ende no fueron errores
Fui yo, lo que era, lo que seré,
Lo que ya no será mio y siempre habrá sido mio,
Que todo está bien
Porque todo está bien siempre
Porque no hay otra