Theresa Rath

Autorin


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El cancer

Crece como un cancer
Lento y tranquilo
Sin que nadie se de cuenta

Te quita la vida con un cuchillo
Por defender la fe que tenias
En lo que es justo

Destruye los homenajes
A los que luchaban
Por el amor burlándose de ellos
(Y ellas)

Tira piedras a los que no saben
De ninguna culpa
Gritando con una ira animal

Crece como un cancer
El odio que envenena los almas
Y se difunde por el viento

El olvido está inmenso
Y suelta siempre los mismos argumentos
(Que fingimos nunca haber escuchado antes)

Su arma es el miedo
Que nos roba la fuerza
De pensar (y de amar)

Tranquilo crece,
Tranquilo e invisible
Tranquilo nos infiltra

Como los intestinos
Del caballo troyano
A matar sin ruido

Y de los que levantan la voz
La mayoría se ríe
Y si hablan muy alto
Les hacen algo peor

Dormimos en paz
Sin preocupaciones
Lejos (pensamos) del peligro

Y no sentimos como nos infiltra
El cancer, como entra
En nuestros vasos y ganglios

Como se mueve por nuestra sangre
Hasta que los sueños
Se convierten en pesadillas

Y una mañana cuando abrimos los ojos y finalmente vemos
(Porque antes éramos ciegos)

La pesadilla se habrá hecho
Verdad.

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Dear friends, my friend Mariano organized this wonderful event. Movies from all over the world examining the controverse and yet so important topic of refugee streams and immigration will be shown. From 25th until 31th of October in Babylon. Come and bring people to help being a counterweight to the inconsiderate masses who believe we could shut change out if we just closed our eyes long enough or moved further to the right.

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Refugees Welcome Film Festival

25. October 2018 – 31. October 2018
All the films have English Subtitles – if the language of the movie is not English

The Refugees Film Festival borns due to the necessity to put in to highlight the enormous drama of the crisis of millions of people in the XXI century that must leave their homes searching for a better life or only escaping from death.

Through a selection of films from all across the globe, the Film Festival aims to raise awareness of common persons that had changed radically their way and place of living and that depict circumstances in a desperate bid for freedom or only to survive.

Ranging from blockbusters to independent films, the program aspires to shed light on their situation and contexts, their fears, losses, hopes, successes, and their despair, courage, and resilience.

The line-up also includes stories of resilience and hope, population under war, Sexual and Gender-Based Violence (SGBV), racial persecutions against native Americans, genocides against minorities, etc.
Also, the film festival includes productions made with and by women, men, and children in their new lives in the cities or places of temporary settlement. The Film Festival will also be featuring special guests from the films, including the filmmakers, actors, and protagonists.

In one week of programming, we will have 48 great films of Germany, Austria, USA, Canada, Italy, France, Spain, Greece, Kosovo, Poland, Netherlands, Romania, Iraq, Iran, Argentina, Honduras, Australia, Sweden, Bangladesh, Cyprus, and Egipt. The majority will be a premiere in Berlin and many of them in Germany also, like “Are you volleyball”, “Der Schwarze Nazi”, “Touch of Angel”, “The boys next door”, “Y”, “Tin Can”, “88 Cents”, “A Piece of Germany”, “Strange Guests”.

We will see nominated Oscar Awards films, and great shorts and features, dramas and documentaries with tons of nominations and awards in the most important film festivals all over the Word.

This window to the best of the movies about this interesting and actual issue, that cross not only Europe-Middle East-Africa, but also different regions with migrations (international and internal, Natives of the USA and Canada, etc.), unknows wars like the Honduran – Salvadorian War, persecutions against the Rohingya Nation and beautiful cooperative movies made by and for children, will permit here, in Berlin, to empathize with millions and millions of Human Beings that exist, and not only in the queue of Ausländerbehörde.

We hope that the first edition of the Refugees Film Festival could help to understand, through the cinema, this complex reality that is going on in the entire world. More info in http://www.refugeesfilmfest.com


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FAST FOOD ART

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Ich möchte die Gelegenheit nutzen und euch zur Ausstellung der Galerie Supernova zum Thema „FAST FOOD ART“ einladen. Die Galerie und mich verbindet eine gute Freundschaft und ihre Ausstellungen lohnen sich immer. Dieses Mal gibt es verschiedene Workshops sowie einen Nachmittag Aktzeichnen im Rahmen des Events. Ich selbst lese am Sonntag, den 14. Oktober um 14:00 Uhr. Die anderen Tage lohnen sich ebenfalls.

Hier die Vorstellung der Galerie Supernova zur Ausstellung:

“Fast food art” – raffinierte, leckere und erschwingliche Kunst&Design Stücke, welche höchste ästhetische Befriedigung versprechen.

Wir laden unsere Besucher ein, selbst kreativ zu werden. Wir bereiten verschiedene Settings vor, wo unsere Gäste sich künstlerisch ausprobieren können und ihre Arbeiten mittels Smartphone und Hashtag selbst unserer vituellen Ausstellung hinzufügen können.

Unser Ausstellung mit Kunst&Design Markt schafft Raum für stimulierende Imagination voller exzentrischer Begegnungen und öffnet seine Türen vom 9. – 14. Oktober. Speziell für dieses Event werden Kunst- und Designobjekte zu einem besonders günstigen Preis angeboten, denn wir wollen, dass ihr gut ausseht, während Ihr in den Straßen von Berlin unterwegs seid!

Was euch erwartet?
• Interaktive Ausstellung;
• Premium Qualität originaler Kunst und Design Objekte, die von internationalen Künstlern und Kunsthandwerkern hergestellt wurden;
• Bereichernde Kunst-Workshops (kostenlose Teilnahme);
• Kreative Atmosphäre, groovige Bar und nette Gesellschaft.

PROGRAMM
9. – 14. Oktober: FAST FOOD ART Ausstellung. Komm und schau Dir atemberaubende Fotokunst, Kollagen und Grafiken an. Mit citpeloJens SchwarzKali Meri, Amaruk, Ringo Pistolero
12. – 14. Oktober: FAST FOOD KUNST&DESIGN MARKT
12. Oktober: FAST FOOD Akt (Aktzeichnen – 16:00 – 17:45 Uhr) https://www.facebook.com/events/276320649674684/
12. Oktober: Unterhaltung mit Saras Vati (18:00 – 21:00 Uhr)
13. und 14. Oktober: Workshop platonische Körper mit Ringo Pistolero(15:00 – 17:00 Uhr)
14. Oktober: Lesung mit Theresa Rath (14:00-15:00 Uhr)

ÖFFNUNGSZEITEN
Dienstag: 16:00 – 20:00
Mittwoch: 16:00 – 20:00
Donnerstag: 16:00 – 20:00
Freitag: 16:00 – 21:00
Samstag: 14:00 – 21:00 
Sonntag: 12:00 – 17:00


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Von der Ma(a)ßlosigkeit

Wenn man für den Thementext ein solches Thema wie „Maaßlosigkeit oder Hasi, du bleibst hier“ bekommt, dann denkt man[1] sich erstmal: Oh scheiße, Politik. Es hat einen guten Grund, dass ich keine politischen Texte schreibe, oder besser: zwei. Der erste ist, dass mir dieses Themengebiet viel zu gefährlich ist, überall droht man auf Minen in Gestalt von Polemik oder Extremismus zu treten. Der zweite Grund ist ein bisschen simpler: Ich habe viel zu wenig Ahnung. Politik spielt sich auf hohen Ebenen ab, auf Ebenen zumindest, die zu hoch sind für mich, wie ich vor geraumer Zeit, im Rahmen meines kommunalpolitischen Engagements als meiner wohl schlimmsten Jugendsünde, entschieden habe. Schon das Wort „Verfassungsschutz“ klingt gefährlich. Darum bin ich ja auch Juristin geworden, denn bekanntlich machen wir keine Gesetze, wir wenden sie bloß an. Die einzigen Entscheidungen, die wir fällen, sind die Urteile der Richter, welche sich im Großteil der Fälle auch bloß aus mehr oder minder sauberer Gesetzesanwendung und –exegese ergeben.

Ja, so oder so ähnlich könnte eine elaborierte Entschuldigung klingen, um sich politisch nicht einlassen zu müssen und sich freizuzeichnen von jeder Verantwortlichkeit als mündiger Bürger. Aber eigentlich kann sich keiner von uns diesen Luxus im Moment noch leisten. Politik spielt sich viel mehr als in den Institutionen des Staatsapparates direkt vor unseren Augen auf der Straße ab. Das haben die Vorfälle in Chemnitz ebenso bewiesen wie die außer Kontrolle geratene Polizeiaktion am Kottbusser Tor vor wenigen Tagen, bei welcher ein angeblicher Fahrraddieb gewaltsam zu Boden gedrückt und geschlagen wurde, festgehalten von vier Polizisten, die Pfefferspray auf die filmenden Passanten sprühten. Und nicht nur auf der Straße, auch in unseren Köpfen spielt die Politik, spielt der Clash von rechts und links sich ab, sodass wir uns in keiner Weise mehr entziehen können. Mitten in Kreuzberg wettern die einen Migranten gegen die anderen. Ich erzähle vom Projekt eines argentinischen Freundes, der ein Filmfestival zur Flüchtlingsproblematik organisiert hat, und mein brasilianischer Gesprächspartner sagt abfällig: Klar, dass Flüchtlinge immer auf der Seite anderer Flüchtlinge sind. Er kauft grade ein Haus in Berlin Mitte und hat mich kontaktiert, um herauszufinden, wie er am besten die alteingesessenen Mieter so schnell wie möglich dort rausschmeißen kann, um die Wohnungen teurer zu vermieten. Ich bin froh über die Existenz des guten, alten BGB, denke ich in dem Moment, als es gegenüber auf der Straße laut wird: Ein Schwarzafrikaner ist mit einem Araber aneinander geraten, irgendwo dazwischen ein Obdachloser der in Berlinerisch etwas schreit, die Glasflaschen fliegen, zwei teuer angezogene Touristen springen aus dem Weg und rufen in amerikanischem Akzent: „Oh my god, what the fuck“, bevor sie kopfschüttelnd und mit pikierter Miene ihren Weg fortsetzen. Neben mir im Café sitzen zwei kaum volljährige Mädchen über ihre neuen IPhones gebeugt und unterhalten sich darüber, welches Auto sie zum Abi haben wollen. Als der Tumult auf der anderen Straßenseite losgeht, schauen sie kurz auf und schütteln die Köpfe, „haben die denn kein Zuhause?“ und beugen sich wieder über ihre Displays. Vielleicht nicht, denke ich, wahrscheinlich nicht. Und wenn ja, was für eins? Zwei Straßen weiter schuften Schwarzarbeiter auf den Baustellen, die nicht wissen, wie sie über den Monat kommen sollen. In Berlin Mitte kauft garantiert grade irgendjemand Kunst für mehrere Millionen.

Und Chemnitz, die AFD, der Rechtsruck, das altbekannte, wieder aufgeblühte Furunkel unserer Zeit? Wovon sind diese Entwicklungen eigentlich Symptom? Ist tatsächlich die Einwanderung schuld? Oder ist es die Angst? Die alte, fiese Angst, die sich an unsere Hacken heftet wie der Futterneid unter Tieren? Was ein anderer bekommt, muss mir weggenommen worden sein? Ich lese einen Artikel in der Zeit, in welchem auf fahrlässig unfundierte Weise mit aus der Luft gegriffenen Prozentzahlen zu den angeblichen Motivationen der Geflüchteten jongliert wird. Erschreckender als die fehlende Wissenschaftlichkeit des Artikels, der letztlich für die Gründe der Geflüchteten streitet, sind die Kommentare, die sich unter dem Artikel finden. Wo man in einem Medium wie der Zeit womöglich noch ein bunt gemischtes Meinungsspektrum erwarten würde, wenn nicht sogar ein linksgeprägtes Bild, finden sich unzählige Kommentare ähnlicher Machart: Die Ausländer nehmen uns alles weg. Und tatsächlich liegt mal wieder da der Pudels Kern, man kann sich nur nicht länger darauf beschränken, die Wurzel allen Übels in diesem Urgefühl des Menschen, dem Alb, der Angst, zu suchen. Denn die Frage ist längst nicht mehr, wer hier wem eigentlich was wegnimmt, und ob überhaupt, oder wer sich nicht an welche Regeln hält. Trotzdem drehen wir uns seit Jahren und Jahrzehnten im Kreis um dieselben nutzlosen Fragen und haben nur noch nutzlosere Antworten zur Hand.

Die Frage nach Flüchtlingsobergrenzen, die (Anti-)einwanderungspolitik, die Erteilung und die Versagung von Arbeitserlaubnissen, die ganzen Diskussionen um das lebensnotwendige Existenzminimum, um sichere Herkunftsländer und vor allem der ewige Streit darum, wer wem die Schaufel weggenommen hat, all das beruht auf der Annahme, dass der eine mehr Recht auf ein menschenwürdiges Leben hat als der andere, nur weil er zufällig in einem reichen Land geboren worden ist und sich daraufhin so verhält als handele es sich bei der Erfüllung von Existenzminima um ein an die Staatsangehörigkeit gekoppeltes Geburtsrecht. Und damit ist das eigentliche Thema verfehlt.

Das eigentliche Problem ist unsere Maßlosigkeit, diesmal mit einem einzigen a. Der Erdball ist massiv überbevölkert, die Ressourcen schwinden. Auf Dauer wird ein Zusammenleben auf dieser Erde, das für alle menschenwürdig ist, nur möglich sein, wenn wir ab von Grenzen, Staatsbürgerschaften und unserem „Erbanspruch“ auf Leistungen aus dem Sozialsystem denken. Es ist unser persönlicher kleiner „Rentenprotektionismus“, der die Gemüter vergiftet. Es ist nicht genug für alle da, um unser Leben auf dem absurden Luxusstandard zu halten, den es aktuell in manchen Ländern hat. Wenn wir uns nicht jetzt schon in intellektuelle Wasserkriege begeben wollen, dann sollten wir dringend damit aufhören, andere Menschen nur wegen anderer Nationalität als Fremdlinge und Eindringlinge zu behandeln, sondern uns vornehmlich darum kümmern, wie ein Zusammenleben Seite an Seite vonstattengehen und jeder dazu seinen Beitrag leisten kann. Und dazu gehört im Ergebnis irgendwann wohl auch, dass wir etwas abgeben müssen von dem, was wir zuvor als selbstverständlich wahrgenommen haben, dass wir vielleicht nicht alle die neuesten Handys und eine Doppelgarage haben können. Die Armut ist längst nicht mehr sicher weit weg in Afrika oder in südamerikanischen Slums. So sehr wir auch versuchen uns mit rechtsnationalem Denken die Wahrheit vom Hals zu halten, sie ist längst schon über tausende Schleichwege in die Realität hinüber gekrochen. Es wird Zeit, sich damit zu beschäftigen und eine gemeinsame Lösung zu finden, anstatt wie ängstliche Kinder die Augen zuzukneifen.

[1] Ich erlaube mir, an dieser Stelle zu pauschalisieren, da das sprachlich einen imponierenderen Effekt erzeugt.


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Weiße Fliesen – oder wie Meister Proper sich über meine Küchenzeile ergoss (Teil 1 einer traurigen Geschichte, die mich zum Lachen bringt)

Vorbemerkung: Wer die Anmerkungen lesen will, muss zu meinen Lesungen kommen – jeden zweiten Monat am ersten Dienstag im Laika. Die Fußnoten freuen sich auf euch!

Kapitel 1

Die weißen Fliesen starren schon wieder vor Schmutz. Ich weiß überhaupt nicht, wie das geht, denn ich benutze die Küche kaum. Es ist, als würde ich jedes Mal, wenn ich sie nur kurz betrete, um mir ein Bier oder einen meiner Diät-Joghurts aus dem Kühlschrank zu holen, einen Haufen Dreck an den Füßen mit mir hereintragen. Das mag der größte Fehler meines Lebens gewesen sein, denke ich grimmig, als ich den Schrubber aus der Abstellkammer hole und einen Eimer mit Wasser fülle: Eine Wohnung mit weißgefliester Küche zu beziehen. Das war vielleicht sogar ein noch größerer Fehler als vor Jahren mit Maik zusammen zu kommen. Wasserflecken und kleine, braune Schmutzränder beäugen mich argwöhnisch, als ich den Schrubber in den Eimer tunke und ihn dabei so heftig hineinstoße, dass schaumige Tropfen über den Rand spritzen, die wie Seifenblasen zwischen den hässlichen Flecken auf dem Boden landen. Der Küchenboden, denke ich wieder und beginne, mit aller Kraft die Fliesen zu schrubben, wobei ich mit Genugtuung sehe, wie ein Fleck nach dem anderen sich langsam auflöst, der Küchenboden war mein größter Fehler, oder aber acht Jahre lang mit demselben Arschloch zusammen zu sein. Dass Männer allesamt Arschlöcher sind, habe ich schon vor langer Zeit für mich entschieden. Damit kann ich mittlerweile umgehen. Aber acht Jahre lang derselbe? Die Kerle sind besser zu ertragen, wenn man alle paar Monate das Arschloch wechselt. Ich weiß auch nicht, welcher Teufel mich geritten hat. Ich bücke mich herunter und greife nach einem Schwamm, der unter der Spüle steckt, um die Ecken des Raumes zu reinigen. Eigentlich bin ich nie besonders ordentlich gewesen, doch seit ich hier wohne, habe ich eine gewisse Obsession mit dem Küchenboden entwickelt. Mit dem Ellenbogen stoße ich, grade als ich mich wieder aufrichten will, gegen den Eimer, ich höre, wie er hin und her schwankt und dann mit einem Geräusch, als würde die Brandung an den Strand schlagen, umkippt. Eine braune, körnige Welle ergießt sich über den Boden. Fluchend versuche ich, mich aufzurichten, und rutsche in der Pfütze aus. Ein stechender Schmerz schießt mir durchs Steißbein und zieht bis hinauf in den Nacken. „Verfluchte Scheiße“, presse ich zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor und in dem Versuch, mich auf die Seite zu drehen, gleite ich gleich noch einmal auf dem nassen, nun wieder dreckigen Boden aus und komme erneut hart auf dem Boden auf. Geschlagen bleibe ich liegen und fühle, wie mein Shirt sich langsam mit Putzwasser vollsaugt. Es ist angenehm kühl. Nichts mache ich richtig, denke ich, während ich mit meiner linken Hand durch das gräuliche Wasser fahre, ohne zu wissen warum. Hier auf dem Boden zu liegen, fühlt sich meiner Situation entsprechend an, denn ich bin offensichtlich am Tiefpunkt angekommen. Nicht mal mehr die Küche kann ich richtig putzen, jeden Morgen grinsen mir hämisch neue Dreckränder entgegen, die sich nachts heimlich auf die Fliesen schleichen, wenn ich mich schlaflos auf der Couch herumwälze, die mir das Bett ersetzt, seit ich hier eingezogen bin. Ich bin fünfunddreißig und wohne seit drei Monaten in einem dunklen Ein-Zimmer-Apartment mit besagtem Küchenboden. Die Beziehung, auf die ich meine letzte Karte gesetzt habe, ist gescheitert, gut, nicht meine Schuld, aber wen interessiert das noch? Ich habe keine Kinder, weil ich immer das Gefühl hatte, es sei einfach nicht fair, noch einen Menschen in diese überbevölkerte Welt zu setzen, doch nun wünsche ich mir oft, es gäbe da jemanden, der mir sehnsüchtig die Arme entgegenstreckt und mir ein Lächeln zuwirft, wenn ich nach Hause komme. Vielleicht sollte ich mir einen Hund kaufen. Seit Wochen halte ich Diät und nehme kein Gramm ab[1]. Letztens, als ich unter der Dusche stand, fuhr ich mir durch die nassen Haare und stellte fest, dass sie sich nicht mehr weich anfühlen, egal wie viel von meiner überteuerten Haarspülung ich auch hinein klatsche. Dazu kommen die grauen Strähnen, die sich immer schlechter verbergen lassen, mein Mangel an Hobbies und Freunden sowie mein schlecht bezahlter Freelance-Job in einem zweitklassigen Modemagazin, für das ich langsam zu alt werde. Die meiste Zeit ignoriere ich diese traurige Bilanz gut, aber nun, da mein Blick sich, während ich noch immer in der Putzwasserpfütze liege, an die Küchendecke heftet, die wesentlich sauberer aussieht als der Boden, lassen sich die unangenehmen Gedanken nicht länger verdrängen. Ich habe immer ein Problem mit der Vergänglichkeit gehabt. Früher habe ich versucht, meiner eigenen Existenz irgendeinen Wert beizumessen, indem ich hohen Zielen hinterher hechtete, die ich allesamt nie erreichte. Mein stetiges Scheitern war gewissermaßen mein einzig konsequentes Handeln. Gitarrenstunden, Volleyball im Verein, Artikel um Artikel, die ich an verschiedenste Zeitungen und Magazine schickte. Wenn eine Sache begann, gut zu laufen, fing ich an, eine andere mehr zu wollen und mich darauf  konzentrieren. Meine kleinen Erfolge verliefen sich im Sande. Mit der Zeit habe ich daher aufgehört, Dinge zu wollen. Wozu auch? Wir alle sterben über kurz oder lang und nichts dauert ewig, daher begann all mein Streben nach Höherem mir nicht nur sinnlos, sondern überdies auch absurd zu erscheinen. Maik war dann der rettende Hafen für meine kreisenden Gedanken, ein bodenständiger, aber nicht erfolgloser Kerl, der mich, als ich mal wieder eine Flaute mit dem Schreiben hatte, in seine Wohnung einziehen ließ. Irgendwie gewöhnten wir uns aneinander und hielten es beinahe ein Jahrzehnt miteinander aus. Bis der Wichser mich betrog[2]. Mir ist bei diesen Gedanken als würde es in der Küche plötzlich dunkler werden. Ich drehe meinen Kopf zum Fenster, um zu sehen, ob womöglich eine Wolke sich vor die Sonne geschoben hat. Aber draußen ist es strahlend hell. Okay, denke ich, hör bloß auf zu denken. Verdrängung hat bis jetzt doch ganz gut funktioniert. Erneut versuche ich, aufzustehen, und dieses Mal gelingt es mir. Ich wringe den nassen Putzlappen über der Spüle aus und mache mich daran, die Pfütze aufzuwischen. „Ich krieg euch, ihr bescheuerten Flecken“, murmele ich dabei vor mich hin und bin froh, dass mich niemand hören kann. In der letzten Zeit habe ich begonnen, ständig laut vor mich hin zu reden, wenn ich allein bin, und das bin ich fast immer. Als ich die Küche fast vollständig gewischt habe, fällt mir auf, dass ich von der falschen Seite aus angefangen habe. Der Boden ist nass und ich stehe auf der gegenüberliegenden Seite der Tür zwischen dem Plastik- und dem Biomüll. Auf nassen Socken tappe ich vorsichtig zum Ausgang und dabei hinterlasse ich eine Spur fußförmiger, bräunlicher Abdrücke. „Jetzt reicht es mir aber“, schreie ich fast und haste zurück zur Spüle, um mir in meinem aussichtslosen Kampf Hilfe von Meister Propper zu holen. Ich weiß, es klingt nach einem schlechten Slapstick-Film, aber ich rutsche tatsächlich erneut aus, mit dem offenen Reinigungsmittel in der Hand, welches mir aus den Händen gleitet und sich quer durch die Küche entleert. Ein bisschen von dem Zeug spritzt mir ins Auge, während die Plastikflasche klappernd auf dem Küchentisch landet und eine Blumenvase umreißt, die mit einem hellen Klang auf diesen verfluchten weißen Fliesen zerschellt. Dieses Mal gibt ein Teil meines Körpers, dessen medizinisch korrekten Namen ich nicht kenne, ein Geräusch von sich, als hätte grade jemand ein Bier aufgemacht. Ein Brennen breitet sich quer durch meinen Oberschenkel aus, das muss die Muskelfaser gewesen sein. Ich reibe mir mit der Hand das Putzmittelauge und verteile das Zeug nur noch mehr. Das ist es. Das ist das Ende. Mir kommen die Tränen, und ich merke schnell, dass es nicht an Meister Proppers Scheuermilch liegt. Erst kommen sie langsam, ohne ein Geräusch, dann beginne ich zu schniefen wie ein enttäuschtes Kind an Weihnachten und schließlich schütteln Schluchzer meinen Körper, der sich nicht länger anfühlt wie mein eigener. Ich bleibe einfach liegen und lasse es zu. Wer nun noch nie nach acht Jahren verschwendeter Lebenszeit und ohne die leiseste Ahnung, wie es weitergehen soll, zwei Mal hintereinander auf weißem Fliesenboden ausgerutscht ist, der mag denken, dass ich dramatisiere. Und vielleicht tue ich das auch. Aber glaubt mir, ich genieße es nicht, als ich mich schließlich mit tränengetrübtem Blick und einem Kopf voll düsterster Gedanken halb aufrichte und feststelle, dass eine der Scherben der umgekippten Blumenvase in greifbarer Nähe ist. Ich denke nicht nach, zumindest nicht bewusst, als ich meine Hand danach ausstrecke und die Scherbe greife. Zunächst halte ich die Scherbe vorsichtig in der Hand und lasse zu, dass all das Nichts und all die Sinnlosigkeit meines Daseins mich vollständig ausfüllen. Dann schließe ich meine Hand fester um das kleine Stück Glas, spüre die scharfen Kanten, die ebenso angenehm kühl sind wie die Putzwasserpfütze. Schließlich balle ich meine Hand zur Faust und das Glas dringt tief in meine Handfläche ein. Ich wimmere ein bisschen wie ein Hund, den man mit Steinen bewirft, und das erste Mal seit langem finde ich, dass mein Ausdruck meiner Situation angemessen ist[3]. Als ich die Faust wieder öffne, ist das Glas rot gefärbt. Es sieht eigentlich ganz schön aus. Blut rinnt meinen Arm hinab und fasziniert starre ich auf das, was ich angerichtet habe. Irgendetwas in meinem System muss grade versagen, denn ich greife erneut nach der Scherbe, die nun in meiner offenen Handfläche liegt, und setze sie auf meinen Unterarm. Mir ist nicht klar, was ich damit vorhabe, aber es kann – von der Warte der noch bei Verstand Seienden – nichts Gutes bedeuten. Immer noch rinnen mir die Tränen über die Wangen, aber wenigstens das Schluchzen hat aufgehört, ich bin jetzt ganz ruhig. Grade als ich die Scherbe in die Haut meines Unterarmes hineindrücken will, dreht sich ein Schlüssel im Schloss der Wohnungstür. Wenige Sekunden später – ich halte noch immer die Scherbe an meinen Arm – steht meine Schwester in der Tür.

Was ich sehe: Meine Schwester, die definitiv hier nicht hingehört. Ich kann mich nicht erinnern, ihr jemals einen Schlüssel zu meiner Wohnung anvertraut zu haben. Sie ist jung, hübscher und dünner als ich, dümmer eigentlich auch, und regt mich meistens, wenn wir uns sehen, ziemlich auf.

Was sie sieht: Mich, durchnässt und mit verquollenem Gesicht auf dem ebenfalls nassen und mit Scheuermilch befleckten Küchenboden, blutüberströmt, und mit einer Glasscherbe in der Hand, die ich mir an den Unterarm halte.

Wie ich reagiere: Gar nicht.

Wie sie reagiert: Sie schreit. War klar. Hysterisch war sie schon immer.

Als meine Schwester nicht aufhört zu schreien, frage ich schließlich mit erstaunlich fester Stimme: „Daniela, was zur Hölle machst du hier?“. Es entwickelt sich eine überraschend normale Unterhaltung, angesichts der nicht ganz normalen Situation, in der wir uns befinden. „Ich hab doch Besuch dieses Wochenende. Du hast mir gesagt, ich könne hier schlafen, wenn es bei mir zu eng wird.“ Habe ich ihr – in meiner geistigen Umnachtung – etwa tatsächlich meinen Schlüssel gegeben? So muss es gewesen sein, wenn ich mich auch in keiner Weise daran erinnern kann. Die andere Möglichkeit wäre, überlege ich schnell, während ich vorsichtig die Scherbe auf den Küchenboden lege, dass sie mir meinen Schlüssel entwendet hat, um eine Kopie davon anfertigen zu lassen. Eher unwahrscheinlich. „Okay“, sage ich also und meine Worte haben einen falschen, fröhlichen Klang, „ich hab im Keller noch eine Luftmatratze.“ Und dann zerbricht diese verlogene, als Alltag verkleidete Realität zwischen uns und plötzlich ist Daniela neben mir auf dem Küchenboden[4]. Bevor sie sich setzt, kickt sie mit dem Fuß die Scherbe von mir weg, als handele es sich um eine Waffe, und dann drückt sie die Haut an meinem unverletzten Arm zusammen, als sei ich kurz davor, zu verbluten. Während ich bei mir denke, dass sie vollkommen verrückt geworden sein muss, nehme ich meine neue Rolle beispielhaft ein. Daniela quiekt wieder und wieder, die Stimme hoch vor Entsetzen: „Kara, was hast du getan?“ und ich, ich schreie, weil es sich irgendwie gut anfühlt, mit einem kurzen Blick auf die in der Küche verteilte Scheuermilch: „Meister Propper hat mir in die Wohnung gewichst!“ Dann fange ich an zu lachen, aber eigentlich weine ich, und dann lache ich wieder, und ich glaube ich bin in diesem Moment dem Wahnsinn so nahe wie noch nie, und irgendwie fühle ich mich gut. Danach zückt Daniela ihr Smartphone, das in einer abscheulichen rosafarbenen Hülle steckt, und ruft in der Psychiatrie an. Die nächsten sechzig Minuten versinken im Nebel.