Theresa Rath

Autorin


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Ardo

I.

Ardo. Ardo sem voz, mas grito em silêncio.

Ardo, e o canto daqueles que ardem comigo

que geralmente ressoa nas minhas copas

hoje é uma marcha fúnebre

estreada pelos próprios mortos.

 

Ardo. Não são pedras que ardem, é vida,

comigo não arde a crença do homem

que criou Deus à sua imagem,

ardo e o futuro arde comigo

mas não comove os deuses

que hoje são servidos pelo povo.

 

Ardo e comigo arde o ar vital,

arde o passado, a herança que a gente devia cuidar,

Ardo e pelas minhas folhas cremadas

milhares de anos desaparecem.

 

Ardo e tudo o que respirava se torna terra queimada.

Ardo e tudo o que viveu morre sob o nosso olhar.

Ardo e nós sacudimos os ombros

E não fazemos nada.

 

II.

Ardo. Ardo sin voz, pero grito en silencio.

Ardo, Y el canto de los que arden conmigo

que habitualmente resuena en mis cimas

hoy es una marcha funebre

estrenada por los propios muertos.

 

Ardo. No arden piedras, arde vida,

conmigo no arde la creencia del hombre

quien creó dios a su imagén,

ardo y conmigo arde el futuro,

pero no conmueve los dioses

que hoy en día son servidos por los pueblos.

 

Ardo. Y conmigo arde el aliento vital,

arde el pasado, arde la herencia

que debimos cuidar,

ardo y por mis hojas cremadas

se esfuman miles de años.

 

Ardo. Y todo lo que respiraba se convierte en tierra quemada.

Ardo. Y todo lo que vivía se muere bajo de nuestra mirada.

Ardo. Y nosotros nos encogemos de hombros y no hacemos nada.


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Lesung heute im Schalet, ab 18.00 Uhr

Im Rahmen eines wunderbaren Kunstevents lese ich heute auf Deutsch und Spanisch im Schalet in der Hermannstraße 14.
Daneben präsentieren verschiedene Künstler Musik, Tanz, Fotografie und vieles mehr in diesem ungewöhnlichen Art-Space.

Kommt vorbei. Eintritt zwischen 5 und 10 Euro, ab 18 Uhr.


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Von Wasser, Wind und Wärme – Brief SMARA 1 (by Magdalena)

Von Wasser, Wind und Wärme” ist ein Gemeinschaftsprojekt, an dem ich mit meiner Schwester Magdalena arbeite. Wir setzen uns hierbei in Form von Briefen kreativ-prosaisch mit den möglichen Folgen des Klimawandels auseinander. Magdalena schreibt dabei für Smara, ich selbst schreibe für Cleo. Briefe werde ich hier auf meinem Blog im Abstand von jeweils ein bis zwei Wochen veröffentlichen, immer jeweils einen von mir, dann einen von Magdalena. Für Anregungen und Kritik sind wir jederzeit offen. 

Liebe Cleo,

keine Worte könnten je beschreiben, wie mir das Herz aufging, als ich gestern Abend Oleg sah, wie er völlig durchnässt und bleich wie ein Geist durch die Tore unserer Lagerhalle stürmte und mich binnen Sekunden in der Menschenmenge erspähte. Er ist mager geworden, gebrechlich, und doch habe ich ihn an mich gedrückt, als würde ich ihn nie wieder sehen – jetzt, wo ich darüber nachdenke, hoffe ich, dass es nicht so sein wird. Er scheint sich auf dem Weg hierher in all der Nässe eine saftige Erkältung eingefangen zu haben, und die Wachen wollten ihn nicht hereinlassen, aber er hat sie bestochen, bis sie ein Auge zugedrückt haben.

Immer mehr Leute müssen ihre Häuser verlassen und brauchen Hilfe, aber hier wird nur selten noch jemand aufgenommen. Auch hier regnet es seit Wochen, und der Nebel hat sich so tief und dicht in Stuttgart eingenistet, ich kann mich kaum erinnern, wie es ist, in einen blauen Himmel zu blicken, hoch, hinauf zur Sonne, und nichts zu sehen als klare,  kräftige Farben. Es hört außerdem nicht auf, zu gewittern, und niemand hier kann richtig schlafen, weil die Kinder nachts oft aufwachen und weinen, wenn der Donner einsetzt. Im Lager hausen mittlerweile so viele Menschen, dass mir selbst nur noch die alte Isomatte bleibt, die wir damals zum Campen benutzt haben, und ein paar Zentimeter weiter schläft schon Esme, und daneben Tilo, und du kannst dir vorstellen, wie es weitergeht. Es ist ein gigantisches Massengrab. Der Geruch hier drinnen ist furchtbar, voll Pisse und Schweiß und Moder, und es gibt keine Fenster, die frische Lust hereinlassen. Manchmal denke ich an den Geruch von der Linsensuppe, die deine Mutter früher immer für uns gemacht hat, und ich wünsche mir, ich könnte in diese Zeit zurückreisen. Ich wünschte, ich hätte gewusst, wie gut es uns damals ging. Es ist verrückt, wie sich die ganzen Kleinigkeiten in meiner Erinnerung eingenistet haben. Die alte Küche, mit den großen Fenstern, die Kräuter auf der Fensterbank, erst Rosmarin, dann Basilikum, Thymian, Salbei, Fenchel und zuletzt Pfefferminz. Und die furchtbaren geblümten Sitzkissen, die wir mit Erdbeersaft vollgesaut haben. Deine Mutter war so wütend, ich höre noch genau, wie sie uns angeschrien hat. Ich vermisse meine eigene Mutter, wenn ich daran denke.

Über das Muttersein denke ich in letzter Zeit immer häufiger nach. Du sagtest, du fühlst dich, als würdest du über dem Boden schweben – ich fühle mich, als drückte mich eine göttliche Kraft immer tiefer in die Erde hinein, als sei ich Atlas, der die Erde stemmt – und ich spüre all meine Knochen, wie sie aufeinandertreffen und zu zerbersten drohen, so sehr lastet dieses Schuldgefühl auf mir. Warum habe ich nicht kommen sehen, dass unsere Welt so untergehen würde? Es sah doch schon vor 10 Jahren schlecht aus. Ich weiss noch, in dem Jahr, in dem ich Esme bekam, das war der wärmste Sommer, den wir je hatten. Ich habe während der Geburt nicht so sehr geschwitzt wie in den Tagen zuvor, an denen die Temperaturen immer höher kraxelten und kein Ende in Sicht war. Ich hätte es schon damals wissen müssen, und ich hätte mir bewusst machen müssen, dass ich in so einer Welt keine Kinder großziehen möchte. Und jetzt sitze ich hier, auf dem klammen Betonboden, neben mir zwei kleine Menschen, die kaum essen und schlafen und ganz blass und schwächlich aussehen, und all dies habe ich ihnen eingebrockt. Am schlimmsten ist es, dass ich nicht weiß, ob sie jemals ein anderes Leben erleben werden als dieses hier. Ich wünsche mir so sehr, dass alles wieder ist wie früher, dass die beiden auf der Straße spielen können und ganz dreckig heimkommen, und dass meine größte Sorge ist, ob Tilo jemals anfangen wird, Gemüse zu essen. Stattdessen bange ich um ihr Leben, und es bricht mir das Herz, wenn sie darüber klagen, dass ihnen kalt ist, oder dass sie Hunger haben, und ich ihnen nicht helfen kann. Und ich wünschte, wir wären bei dir, und sie könnten mit den anderen Kindern lernen. Wir haben noch ein paar Bücher mit Bildern drin, auch wenn sie schon ganz nass und wellig sind und die Tinte teilweise zerflossen ist, aber beide sind mittlerweile zu alt, um sie noch interessant zu finden. Ich habe sie einer anderen Familie in der Halle gegeben.

Cleo, bitte sei ganz ehrlich mit mir, denkst du, dass es noch Hoffnung für die Zukunft gibt? Niemand hier redet je darüber. Es wird nur totgeschwiegen, denn ich glaube, alle Menschen hier wissen, dass es nichts mehr zu retten gibt. Hier ist niemand, dem ich wirklich vertraue. Wir wohnen auf so engem Raum, ganz ohne Privatsphäre, aber keiner kennt sich wirklich. Und ich glaube, jeder hier würde seinen Nachbarn ohne zu zögern umbringen, wenn es hart auf hart käme. Ich würde es tun.

Du kennst mich ja, und du weißt, ich brauche immer einen Plan – und ich dachte neulich – was, wenn wir es zusammen in den Süden schaffen würden? Nach Norditalien vielleicht, ich habe gehört, dort ist das Wetter seit einigen Wochen ganz stabil, bis auf ein paar Waldbrände vielleicht. Aber ich habe gehört, direkt hinter den Alpen sind ein paar Dörfer, denen es nicht so furchtbar geht. Da wohnen nicht so viele Menschen, und es gibt viele grüne Felder, und ganz viel Platz, und es gibt Sonnenschein. Und ich weiß, was du denkst – den Weg über die Alpen würden wir niemals schaffen. Aber ich frage mich, was ist mein Leben hier wert, wenn ich nur leide und es keine Aussicht auf ein besseres Morgen gibt? Vielleicht ist es das Risiko wert, denn so, wie es momentan aussieht, habe ich nichts zu verlieren. Bis auf die Kinder. Aber auch ihnen möchte ich die Situation hier nicht noch ein Jahr lang, oder zwei, oder wer weiß wie lange zumuten. Und ich möchte so gerne die Sonne wiedersehen. Mir tut richtig das Herz in der Brust weh, wenn ich daran denke, wie schön es ist, die Wärme auf dem Gesicht zu spüren, wenn man von der Morgensonne aufgeweckt wird, weil es richtig hell wird draußen. Ich weiß, es ist verrückt. Wahrscheinlich ist es nur mein blödes Wunschdenken, ich bin eben doch eine alte Träumerin, und versuche immer, direkt nach den Sternen zu greifen. Aber es wäre so schön, und darüber nachzudenken, wie unser Leben dort sein könnte, gibt mir kurz das Gefühl, dass nicht alles hinüber ist.

Du merkst, ich weiß gar nicht mehr, wo mir der Kopf steht. Ich bin so durch den Wind. Ich fühle gleichzeitig eine Milliarde Dinge auf einmal und überhaupt gar nichts. Ich glaube, es ist am besten, wenn ich diesen Brief an dich zumache, bevor ich alles zerreiße und von vorne anfange, und am Ende doch dasselbe dabei rauskommt. Cleo, danke, dass du mir geschrieben hast. Du hast keine Ahnung, was es mir bedeutet, dass ich mich nach all der Zeit noch so sehr auf dich verlassen kann. Ich hoffe inständig, dass wir uns bald wiedersehen, und dass es dir gut geht und deiner Großmutter auch, und all den Kindern, und den Nachbarn – du weißt schon.

Grüß alle von mir und bleib stärker, als ich es bin.

Smara

 


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Von Wasser, Wind und Wärme – Brief CLEO 1

Von Wasser, Wind und Wärme“ ist ein Gemeinschaftsprojekt, an dem ich mit meiner Schwester Magdalena arbeite. Wir setzen uns hierbei in Form von Briefen kreativ-prosaisch mit den möglichen Folgen des Klimawandels auseinander. Magdalena schreibt dabei für Smara, ich selbst schreibe für Cleo. Briefe werde ich hier auf meinem Blog im Abstand von jeweils ein bis zwei Wochen veröffentlichen, immer jeweils einen von mir, dann einen von Magdalena. Für Anregungen und Kritik sind wir jederzeit offen. 

CLEO I

Smara,

ich gebe Oleg diesen Brief für dich mit und hoffe inständig, dass er dich erreicht. Er bricht nachher in Richtung Süden auf und sollte Stuttgart, wenn alles gut geht, in einigen Tagen erreichen. Am längsten dauert der Weg über Wasser, wie du weißt, und er wird mit jedem Tag länger. Jedes Mal, wenn Oleg in sein kleines, vom Wetter gebeuteltes Boot steigt, um seinen Aufgaben, von denen er mir immer weniger erzählen will, nachzugehen, dann komme ich fast um vor Sorge. Bei jedem Abschied glaube ich, dass es das letzte Mal sein wird, dass ich ihn sehe. Ein Gutes muss das Ganze also haben, und so hoffe ich, dass du dich mindestens genau so freust, von mir zu hören, wie ich mich freuen würde, dich endlich einmal wieder zu sehen.

Hier hört es seit Wochen nicht mehr auf zu regnen. Das Wasser steigt und steigt, wir mussten mittlerweile auch das zweite Geschoss aufgeben und ich kann mich schon nicht mehr daran erinnern, wie es ist, einfach durch die Stadt zu laufen, auf Asphalt und festen Wegen. In mir ist ein so starkes Bedürfnis danach, mich frei zu rennen, einfach das Haus zu verlassen und in eine Richtung zu gehen, immer weiter geradeaus, heraus aus der Stadt, aus den Vororten, über die Felder, bis dahin, wo die Sonne hinter den Wolken hervorguckt.

Alles hier ist feucht. Das Wasser tropft von der Decke, die Feuchtigkeit kriecht von den gefluteten Stockwerken durch die Dielen und ich habe immer kalte Füße. An den Wänden bilden sich Schimmelflecken, Großmutter hustet ununterbrochen und ich mache mir schreckliche Sorgen. Medikamente gibt es fast keine mehr, die Luftlieferungen kommen unregelmäßig und der Weg übers Wasser ist gefährlich – meistens sind die Boote leergeräumt, bis sie hier ankommen. Wenn sie ankommen.

Ich drehe Runden durch die Wohnung wie ein Tiger im Käfig. Ich fühle mich nutzlos. Am liebsten würde ich Oleg auf seinen Touren begleiten, aber er sagt, ich würde hier gebraucht. Ich sehe allerdings nicht, wie ich hier von irgendeinem Nutzen sein könnte. Wir sind mittlerweile zu zehnt in der Wohnung und die Enge macht mich wahnsinnig. Großmutter, ich, Luana und Giro teilen uns das Wohnzimmer und mein Zimmer. Die Familie mit den drei Kindern, die unter uns im zweiten Stock gewohnt haben, haben Luanas Zimmer und das von Großmutter. Das alte Esszimmer ist zum Gemeinschaftsraum umfunktioniert worden, wo auch Oleg seine Versammlungen abhält.

Die Nachbarn sind vor etwa drei Wochen hier eingezogen. Wir konnten sie ja schlecht in ihrer gefluteten Wohnung sitzen lassen. Die Kinder sind das Einzige, was mir ein bisschen Freude bringt in diesen Tagen. Ich unterrichte sie in meinem Zimmer, die Schulen sind seit Monaten geschlossen. Die Kleinste, Ama, ist eigentlich noch zu klein, aber sie will alles machen, was ihre Geschwister auch tun, und ich muss ehrlich sagen: Sie ist meine beste Schülerin. Es bricht mir das Herz, wenn ich manchmal ihre kleinen Hände ansehe, die ganz blau gefroren sind. Trotzdem hält sie ihren Bleistiftstummel fest zwischen den Fingern und schreibt schon alle Buchstaben.

Was mir den Schlaf raubt, ist der Gedanke, was wir tun werden, wenn das Wasser auch unser Stockwerk erreicht. Oben bauen sie wie verrückt, um neue Stockwerke über den Dachstühlen zu konstruieren. Aber es fehlt Material. Und letztens kam Oleg ganz bleich von einer Versammlung im alten Rathaus zurück. Als ich ihn fragte, was los sei, winkte er ab, doch ich ließ nicht locker. „Das Wasser beansprucht die Gebäude“, verriet er mir schließlich, was mir natürlich bereits vorher klar war. Aber ich verstand, was er mir damit sagen wollte: Irgendwann bricht das hier alles in sich zusammen. Wir können hier nicht ewig bleiben. Ich würde nicht eine Sekunde zögern, wenn er mir sagte: Pack deine Sachen, wir gehen nach Süden. Aber die Barrikaden vor der alten Stadt sind stabiler als je zuvor, man kommt eigentlich nur über Schleichwege hier raus. Und man erzählt sich die fürchterlichsten Geschichten darüber, was mit einem passiert, wenn man bei dem Versuch erwischt wird.

Smara, letzte Nacht hatte ich einen Traum. Du kamst auch darin vor. Es war Sommer und ich stand auf einem Feldweg. Es tat so gut, den Boden fest unter meinen Füßen zu spüren. In der letzten Zeit habe ich immer das Gefühl, knapp über dem Boden zu schweben, so als sei ich nicht ganz real. Aber in meinem Traum hatte ich Gewicht, es war, als würde plötzlich die Schwerkraft wieder funktionieren. Vor mir erstreckte sich ein Maisfeld, ich konnte nicht bis zu seinem Ende sehen. Die Ähren schwankten im Wind und der Himmel war blau, so blau wie ich ihn vor Jahren das letzte Mal gesehen habe. Die Sonne wärmte mein Gesicht und ich blinzelte in das Licht, zufrieden. Und dann waren da die Vögel. Ich glaube, es waren Krähen, und sie krächzten mit ihren kehligen Stimmen als wollten sie sich irgendetwas sagen, das ich nicht verstehen konnte. Sie saßen am Rande des Feldes und hüpften hin und her, manchmal flog eine von ihnen ein paar Meter in eine Richtung, näherte sich einer anderen, die daraufhin ebenfalls kurz in die Luft aufstieg und die andere umkreiste. Es war fast wie ein Tanz, und obwohl Krähen wirklich nicht die schönsten Vögel sind, sah ich ihnen fasziniert zu. Es wirkte alles so – gesund.

Und dann begannen die Ähren sich zu bewegen, es begann zu rascheln und aus einem der engen Wege, die vor lauter reifen Maiskolben nicht einzusehen waren, erschien plötzlich dein Gesicht. Du warst klein, ein Kind, doch ich erkannte dich sofort, und lief auf dich zu. Die Blätter der Maispflanzen streiften dein Gesicht, als wir uns an den Händen nahmen und zwischen den Ähren verschwanden. Hinter uns stieg der Krähenschwarm in die Luft auf und flog uns voran, als wollten sie uns leiten. Und wir rannten, und Erde stob auf, und ich wusste: Jetzt kommt alles in Ordnung.

Wie sehr ich mir wünschte, ich könnte mit dir dort sein, als ich aufwachte. Wie sehr ich mir wünsche, eines Tages mit dir an diesen Ort zurückkehren zu können, von dem ich glaube, dass ich einmal dort gewesen bin, als diese Welt noch eine andere war. Ich kann noch immer nicht glauben, in was unsere Welt sich verwandelt hat.

Aber genug von meinen düsteren Schilderungen. Wir dürfen nicht verlernen, zu lachen, sagt Großmutter immer. Ich bewundere sie, denn ich glaube, dass die Situation sie von allen am härtesten trifft, sie, die ein so anderes Leben über so viele Jahre lang gewohnt war. Und trotzdem beweist sie einen so starken Kampfgeist, dass ich nur den Hut vor ihr ziehen kann.

Oleg ruft, dass er aufbrechen will. Deshalb höre ich auf für heute und bete, dass der Brief (samt Oleg) unversehrt bei dir ankommt. Ich glaube immer noch daran, dass wir eines Tages wieder zusammen sein und uns dieser schrecklichen Tage in vielen Geschichten erinnern werden und dass sie dann nichts mehr sein werden als eben das: Eine Erinnerung.

Deine Cleo.


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For today

I.

Red, blazing fear is rushing through my veins. I am crouched into the corner with my back against the heavy, wooden cupboard, where they keep their dinnerware. My face is pressed into my mom’s woolen scarf. I try to breathe calmly, one, two three, inhale, one, two, three, exhale, like my mother once showed me when my chest was so tight that I thought I was going to suffocate. My breathing is unsteady and interrupted by the heavy sobs that I cannot suppress. I let my fingers flow through the tissue of the scarf, run my eyes over the pattern, red and blue dots on green ground. The scent of my mother’s perfume rises from the scarf and once again I begin to sob and forget to count while breathing in and out.

The door to the hallway swings open and Carmen walks into the room. I lift my face from the scarf and see the look that she casts through the room right at the corner where I sit. She looks at me with a mix of desperation and despise. And there is something else: Helplessness. “Oh, still there, baby?”, she says and I can sense how she is trying to give her voice that soft touch that eventually is disrupted by a high pitch and reveals how much she is not feeling the compassion she wants to make me believe she feels. I shrug my shoulders and bury my face in the scarf once again. She walks over and kneels down next to me. Her hand strikes over my hair and for a second I am tempted to give in to that touch, lay my head on her soft stomach and cry until I fall asleep. But I must not do that, I may not take up so much space and she has more than enough work to do for me to behave like this.

“The same thing as always?”, she whispers softly and now I can feel genuine concern in her voice. I nod. “She will be back”, she says and puts her arm around my tiny body. I look up and stare at the clock that hangs over the dining room table. I can already read it, even though I am only three years old. It is five minutes to 12. If nothing goes wrong, if she doesn’t die or forget about me or decide she has had enough of me, my mom will come to pick me up at three. Three hours to go. I lean back into my corner and wrap the scarf around my neck. “I know”, I say and can hear myself lying. “I have to prepare lunch now”, Carmen says, “do you want to come to the kitchen with me?” I shake my head because I don’t know if my legs will carry me the whole way. It has become impossible to move. The fear has petrified me. “I’m all right here”, I say. “You call me when lunch is ready.” She nods and gets up and as she walks out of the room I can see how relieved she is to leave me back here.

That is the way I imagine my mom walking out of here each morning when she leaves for work. As I think about this the tears well back into my eyes. The fear seems to tighten in my stomach, forming a huge, sickening ball that is about to explode. I curl up on the carpet, bury my head in the scarf and let the tears roll. It is okay to cry, I think. I am only three years old.

 

II.

It is Monday. When I finally turn off my alarm and crawl out of my bed my head and limbs feel heavy as lead. I stumble into the bathroom and take off my pajamas. My clothes scatter on the floor and just when I want to step into the shower I can feel my strength leaving me. I don’t know how to get through the day. The way the desperation hits me is so sudden and complete that it feels like being struck by a bullet. My knees give in and I let myself slide onto the bathroom floor. I prop myself up against the bath tub and – sitting there, with my whole body shaking – bury my head in my hands. Cold sweat runs down my forehead and forms in my armpits. I was expecting this moment, but I wasn’t prepared for it.

The fear has come creeping in for days, lingering in the corners of my perception, whispering unrecognizably in the moments before falling asleep, building up and growing without anything I could have done to prevent this from happening or shield myself. Now that it is here, I let it roll over me like an avalanche, trying to hold my senses together until it passes. Don’t forget to breathe. I can feel the tears coming. Uncontrollably they run down my cheeks, and there is a pain in my intestines like someone were stabbing a knife right into my stomach and turning it around until all of my insides lie on the floor, scattered like my pajamas.

The fear comes in waves. I am convulsing as it flushes my mind and in the seconds I have between the attacks, I try to figure out which shape it chose to take this time.

I feel I am losing everything. Your friends are going to leave you, the fear screams. Your partner is seeing somebody else. He doesn’t love you. You’re going to lose your job. You’re going to lose your flat. And when you’ve lost all of these things the world will see you for what you are: Nothing.

I shiver. No, I am whispering over and over again. This is not going to happen. You’re just fear. You’re not real. You’re mean and false. Leave me alone. But I know I need to listen to it, embrace it, accept it, let it go.

I’m breathing. Crying. Breathing.

I remember this feeling. I remember it from a time when I had no words to name the fear, when I had no way to express what I was feeling, no name for the things I needed. I remember that time and I know I am not in danger. I was in danger back then. The danger passed and what stayed was the fear. I take a deep, shivering breath, lift my head up from my knees and open my eyes. I can see a blurred version of my bathroom, look up at the ceiling, and draw the outlines of the room with my gaze. Sink, toilet, bath mat, laundry basket. Everything is still there. I wipe some of the tears from my cheeks. Slowly I push myself up from the floor.

My legs are still shivering, but I remember now. I remember the little girl I was, I remember sitting with my back against the huge, wooden cupboard, I remember my mom walking out of the room, thinking she would leave me there to never come back. I remember my dad leaving and never coming back. I remember how eventually things got better, but the fear stayed. I remember being alone when nobody should be on their own.

I remember and I realize it is over.

That is not today.

I step into the shower and turn on the water. It runs over my skin, warm and soft. The shaking slowly stops. I take a deep breath and this time I can feel the air filling my lungs. I exhale. And when I step out of the shower, get dressed and grab my bag from the bedroom floor, I stop in front of the mirror. I look at myself and see that I have grown up. I show myself a faint smile and then I throw what is left of the fear into a huge garbage bag and leave it in one of the containers in the backyard. That was it, for today. For today, I’m better.

 


Ein Kommentar

Dahinter vielleicht irgendwo

Ich finde keine Worte für den Tod.

 

Ich denke an die Einsamkeit der Alten,

an die Schmerzen der Kranken,

an zu viel Vergangenheit und zu wenig Zukunft,

an zu viel Erinnerung und zu wenig Hoffnung,

und er erscheint mir eine gute Option.

 

Doch das ist nicht der Tod, das sind nur Gedanken.

 

Ich finde keine Worte für den Tod.

Denn alles in mir ist Abwehr.

 

Ich sehe bloß deine Urne,

bunt marmoriert,

bunt wie die Blütenblätter,

die wir auf deinem Grab verstreuen,

bunt wie unsere Kleider,

als wir auf dem Friedhof stehen

und wissen, dass der Tod nichts Schlechtes ist.

Und ihn doch nicht ermessen können.

 

Ich finde keine Worte für den Tod,

nur für Gedanken an ihn.

Denn alles in mir ist Abwehr.

 

Und dahinter vielleicht irgendwo

Dankbarkeit und Liebe.

 

Und dahinter vielleicht irgendwo

Angst und Wut.

 

Und weiter dahinter,

Zu weit für mich, um es zu fassen,

etwas anderes

  • Endgültigkeit?
  • Hoffnung?
  • Vergänglichkeit?
  • Unendlichkeit?
  • Das Ende?
  • Ein neuer Anfang?

 

Ich finde keine Worte für den Tod.

 

Ich will ihn nicht

Und zum Glück will er auch mich noch nicht.

 

Und doch, wenn er zum ersten Mal

das Gesicht eines geliebten Menschen trägt,

dann ist alles in mir Abwehr.

 

Trotz deiner Einsamkeit.

Trotz deines Einverständnisses.

Trotz deiner Sehnsucht.

 

Ich finde keine Worte für den Tod

und keine Gefühle,

keines der Gefühle, die ich kenne,

stimmt, passt, genügt,

dafür

und die Gedanken sind nur Gedanken,

vernünftig und geordnet.

 

Ich halte mich fest an deiner Urne,

bunt marmoriert,

bestreut mit Blütenblättern,

und meinen bunten Kleidern

an deinem Grab,

 

ich gebe es auf,

Worte finden zu wollen,

 

für heute,

 

lasse alles kommen und gehen,

wie es ist,

und vielleicht wird eines Tages

da mehr sein in mir

als nur Abwehr.


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La Falta

Vos pensás demasiado

antes de hacer nada,

dijo la Maga a Oliveira.

 

Y acá estamos

aún echados en tu cama

mientras el sol ya

se acomodó en el cielo

y ese momento

podría haber sido nuestro.

 

Quisiera alzarme,

alzarme y lanzarme

en la aventura.

Pero soy inercia.

 

Quisiera, quisiera, quisiera

digo y sueño, te cuento,

soñamos,

acá en tu cuarto

con las dos cortinas

entre sabanas mojadas

 

Siento como la luz disminuye

y se me achica el corazón

por  los instantes no vividos

de otro día.

 

Porque mirar no es vivir

y pensar no es sentir

sufrimos sin hablar

nuestra falta de poesía.