Theresa Rath

Autorin


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I. Teilen, ohne zu herrschen

Die gefühlte Notwendigkeit, stets Zusammenhängendes präsentieren zu müssen, führt zu Stille. Das Erlebte und Gedachte, das Gefühlte und Gewollte verliert sich im eigenen und fremden Anspruch auf Vollständigkeit. Mit meinem neuen Projekt von isolierten Schilderungen, Geschichten und Gedanken möchte ich der Stille entgegen wirken, die in einem jeden von uns wächst. Denn Stille führt zu Einsamkeit. Und ich möchte zeigen, dass Zusammenhänge nicht nur dort existieren, wo wir erzählerische Kohärenz schaffen. Vor allem aber möchte ich eines: Dem, was sich in mir bewegt, einen Raum geben, ohne dass ich dabei zur Protagonistin meiner Beiträge würde. Dies ist kein Tagebuch, es ist ein freier Raum von möglichen Realitäten, wo Erzählen mehr sein soll als bloß Mittel zu einem Zweck. Es ist eine Mit-Teilung dort, wo Schweigen sich ausbreitet und uns verschleiert und aus der Verschleierung Mauern baut. 

Mir fällt auf, dass ich nicht weiß, wie Kamelien aussehen. Das bemerke ich, als ich den letzten Absatz des Buches, das mir nach Wochen der Betäubtheit das Gefühl gibt, den Grund für diesen Zustand gefunden zu haben, noch einmal lese und schnell die Tränen wegblinzle, da ich in einem überfüllten Café sitze und mir nicht hier die Blöße geben will, zu weinen. Auch wenn es durchaus angebracht wäre, in Anbetracht dieses Absatzes. Die Kamelien tauchen immer wieder auf, zuallererst in einem Film, dessen Inhalts ich mir eben so wenig gewahr bin wie der Erscheinung einer Kamelie. Ich weiß, es gäbe andere Optionen, den Besuch des botanischen Gartens etwa und eine mehrstündige Suche nach der bezeichneten Blume. Doch letzten Endes bin ich ein Kind meiner Zeit und so krame ich aus dem Rucksack, den ich unter die Bank getreten habe, auf der ich sitze, mein Handy hervor und rufe die Suchmaske auf. „Kamelie“, tippe ich ein und frage mich, als das Bild einer rosafarbenen Blüte erscheint, ob es das ist, was ich erwartet habe. Mein zweiter Gedanke ist, dass ich diese Blume schon zigmal gesehen habe und keine Ahnung hatte, wie sie heißt. Hätte ich sie jemandem zeigen wollen, so hätte ich es nicht gekonnt, bis ich aus purem Zufall wieder einer Pflanze ihrer Gattung über den Weg gelaufen wäre. Erneut überrascht mich die Macht der Sprache. Mein dritter Gedanke ist, mir sofort eine Kamelie nach Hause liefern zu lassen, als könnte ich so einen Teil der Poesie des von mir soeben zu Ende gelesenen Buches einfangen und die tiefen Gedanken sowie das Gefühl verstanden zu sein, das mir oft nur Bücher geben können – diese treuen Begleiter, die uns, ohne uns zuzuhören, immer antworten – auf meiner Fensterbank konservieren. Mein vierter und letzter Gedanke zur Kamelie ist, dass ich eine verdammte Kapitalistin geworden bin. Als könnte man sich Verständnis und Poesie kaufen. Ich klappe das Buch zu und schiebe es mit einem Seufzer an die Tischkante, bevor ich nach der Rechnung frage. So schnell wird es mich nicht loslassen, das weiß ich. Ein Abschnitt hat mich besonders getroffen. Wie so oft ist das Schöne am Lesen nicht eigentlich, auf neue Gedanken zu stoßen, sondern vielmehr bereits selbst Gedachtes in eine andere Form gegossen wiederzufinden. Dieser Moment des gegenseitigen Erkennens ist jedes Mal wie ein lautloser Jauchzer der Freude über die gefundene Gemeinsamkeit und ich vergesse stets, dass ein Buch kein Mensch ist, sind die Bücher doch immer meine besten Freunde gewesen. Und wenn ich daran denke, dass hinter jedem Buch ein Schriftsteller steht, der es geschrieben hat, dann weiß ich, dass diese Gedanken auch ein anderer Mensch schon hatte und die Einsamkeit wird erträglicher.

Die Einsamkeit beschäftigt mich seit längerem wieder. Ich gehöre zu den Menschen, die die Einsamkeit suchen, und dabei unterscheide ich sehr wohl zwischen Einsamkeit und Alleinsein. Während Alleinsein für mich lediglich die physische Abwesenheit von anderen Menschen bedeutet, so weist die Einsamkeit eine tiefere Ebene auf, meint eine Abgeschiedenheit von der Welt als solcher und kann durchaus auch in Anwesenheit anderer Menschen erlebt werden. Die Einsamkeit meint ein profunderes Zurückgezogensein und hat immer einen leicht schmerzhaften Beigeschmack. Trotzdem suche ich sie und genieße es, einsam zu sein. Ich glaube, dass man nur in der Einsamkeit sich selbst wirklich erkennen und die eigene Bestimmung verstehen kann, wenn es denn so etwas gibt wie Bestimmung in dieser Welt ohne Sinn. Dennoch gibt es Zeiten, da die Einsamkeit sich aufbläht wie eine fette Kröte und wie ein Gewicht auf meinen Schultern liegt. Dabei bin ich im weitesten Sinne ein soziales Wesen. Ich habe Freunde, führe eine Beziehung, die mir mehr gibt als sie mir nimmt, arbeite in einem Büro, in dem ich auch von Zeit zu Zeit ein paar Worte mit meinen Kollegen wechsle, und habe Mitbewohner. Nein, an Austausch mangelt es mir nicht. Angesichts der Größe der Stadt und der Masse an Menschen, die sich Tag für Tag durch sie hindurch bewegen, sehne ich mich sogar zumeist nach meinem Zimmer, um dort endlich allein sein zu können. Nicht aber immer, um dort auch einsam sein zu können. Routine hat etwas Beruhigendes. Gleichzeitig hat sie aber auch etwas lauernd Bedrohliches, und das ist es, was mir in der letzten Zeit zu schaffen macht. In meiner Routine begegne ich Menschen mit absoluter Regelmäßigkeit. Daneben habe ich ausreichend Zeit, um mich alleine meinen Hobbies zu widmen, die da wären: Lesen, mein Klavier, Sport, Schreiben, Sprachen lernen, Musik hören. Es sind dies so kontemplative Hobbies, dass ich dabei ununterbrochen auf schöne Dinge stoße: Es kann sich um eine Passage aus einem Buch handeln, die an erhebender Schönheit kaum zu überbieten ist, wie etwa diese: „Was schön ist, erhaschen wir, während es vergeht. Es zeigt sich in der vergänglichen Gestalt der Dinge in dem Moment, da wir gleichzeitig ihre Schönheit und ihren Tod sehen. Oh, weh!, habe ich mir gesagt, heißt das, dass man sein Leben auf diese Weise führen sollte? Immer im Gleichgewicht zwischen der Schönheit und dem Tod, der Bewegung und ihrer Auflösung? Vielleicht heißt lebendig sein das: Augenblicke zu verfolgen, die sterben.[1]“ Da steckt so viel Tiefe in diesen wenigen Sätzen, so vieles, das mich beschäftigt, so viele Anstöße, die unsere Gedanken wie Kugeln in ganz verschiedene Richtungen rollen lassen können, und nur zu gerne folge ich all diesen Gedanken, verwirre mich in mir selbst und vermisse dabei doch schmerzlich ein Gegenüber, mit dem ich die Schönheit dieser Worte und ihrer Implikationen teilen könnte. Aber die schönen Dinge bestehen nicht nur aus Worten. Es kann auch ein Lied sein, oder nur der Teil eines Liedes, der mir den Tag versüßt. Wenn ich frühmorgens aufstehe und etwa dem Klavierspiel von Esbjörn Svensson lausche (Viaticum ist mein aktueller Favorit) oder dem Bassspiel von Avishai Cohen. Ich möchte in diesen Momenten die ganze Welt umarmen, denn bei allem, was dort draußen falsch und angefault ist, sind es diese Töne, die mich an Liebe glauben lassen. Und doch kommt der Punkt, wo all diese Schönheit mich einsam macht, denn ich kann sie nicht teilen. Die Routine lässt mich die Menschen treffen, ohne ihnen jedoch wirklich zu begegnen. Ich weiß nicht, woran genau es liegt, doch ich teile mich nicht mit. Anstatt mit meinen Freunden über die Vergänglichkeit und unsere Aufgabe in der Welt zu sprechen, die mich, seitdem ich mein Studium abgeschlossen habe, fast tagtäglich beschäftigt, spreche ich über die Arbeit, die ich vor einigen Monaten aufgenommen habe, spreche über die Familie und gemeinsame Bekannte. Nicht, dass das falsch wäre, es verfehlt nur seinen Zweck. Seit einigen Monaten gehe ich sorgsam mit meiner Zeit um. Ich gehe nicht mehr gerne lange in Clubs oder Bars und umgebe mich auch nicht mehr mit Menschen, die ich nicht kenne oder nie wiedersehen werde. Ich ziehe es vor, meine Zeit im Kreise derer zu verbringen, an denen mir wirklich etwas liegt. Und doch bemerke ich, dass ich seitdem viel mehr Zeit in meinem eigenen Kopf zubringe, was mir auf der einen Seite sehr gut gefällt, wodurch mir jedoch auch auffällt, wie isoliert wir alle in dieser Stadt leben, wie wenig Zeit wir haben, die schönen Dinge miteinander zu teilen. Es scheint leicht zu sein, sich gemeinsam zu betrinken, sich den hässlichen Dingen gemeinsam hinzugeben. Doch wann haben wir einmal Zeit für ein Gespräch, dessen Thema sich ab von unseren Alltagsverrichtungen bewegt? Ich überlege, wovor ich Angst habe, denn Angst habe ich definitiv. Ist es die Befürchtung, nicht verstanden zu werden? Oder die Dinge nicht aussprechen zu können? Verworrenes und Unlogisches zu reden? Ich glaube am meisten befürchte ich, das, was ich sagen will, könne nicht formulierbar sein, so wie schon Musil seinen Törleß spüren ließ, dass es etwas gibt, was mit der Sprache nicht sagbar ist und das uns allen in unserer Einsamkeit vorbehalten bleibt. Und mehr noch fürchte ich vielleicht den Blick meines Gegenübers, dem diese Dinge zu abstrakt sein könnten, der sich vielleicht nicht auseinandersetzen will mit etwas, das ab von den geraden Wegen liegt. Ich fürchte seine wegwischende Handbewegung. Eigentlich fürchte ich das Gefühl der Einsamkeit, das dieser Bewegung folgen würde. Also weiche ich, um ganz ehrlich zu sein, dem Beweis meiner Einsamkeit aus und spüre sie doch schon jetzt. Was wäre also der Unterschied, wenn ich entschiede, mich mitzuteilen?

Wie ich bereits sagte, ist es schön, die eigenen Gedanken in den Worten anderer zu lesen. Und so brachte mich heute diese Passage in dem von mir zu Ende gelesenen Buch dazu, meine Gedanken über die Einsamkeit und die von ihr hervorgerufene Belastung aufzuschreiben und mich – gewissermaßen im Dialog mit mir selbst und im Gedanken an einen potentiellen Leser – etwas weniger einsam zu fühlen: „Es ist eine Zeit außerhalb der Zeit… Wann habe ich zum letzten Mal diese köstliche Gelöstheit verspürt, die nur zu zweit möglich ist? Die Seelenruhe, die wir empfinden, wenn wir allein sind, jene Gewissheit unserer selbst in der inneren Heiterkeit der Einsamkeit ist nichts im Vergleich zum Gehen-Lassen, Kommen-Lassen und Sprechen-Lassen, das wir in der Gesellschaft des anderen erleben, in der Eintracht mit dem Gegenüber…[2]“ Es ist diese köstliche Gelöstheit, die ich vermisse. Ja, meine Einsamkeit ist oft genug heiter und meine Seele ruhig, aber dies ändert nichts daran, dass ich einsam bin. Ich weiß, dass gute Gespräche kostbar sind und ein seltener Schatz. Dennoch frage ich mich in der letzten Zeit, wo im leisen Dahinplätschern meines routinierten Erwachsenenlebens sie mir abhanden gekommen sind. Wo verbergen sie sich, wenn ich selbst der Meinung bin, gute Beziehungen zu führen? Warum verberge ich mich und vermeide das Zustandekommen solcher Gespräche aus Angst, enttäuscht zu werden? Wie sehr haben sich der Alltagstrubel, der von einem unsichtbaren und namenlosen Etwas erzeugte Dauerstress, die Sorge um das eigene Auskommen und um die nicht versiegenden Problemchen, die sich uns in ununterbrochener Abfolge stellen und unsere Aufmerksamkeit beanspruchen, in mein Leben eingeschlichen, um mich dieser Momente des Einklangs zu berauben? Und mit welcher Folge? Dass die von mir hoch geschätzte Einsamkeit mich deprimiert.

Als ich heute das Buch an die Tischkante schob und um die Rechnung bat, fasste ich einen Entschluss. Ich muss erneut beginnen, mich mitzuteilen. Denn ich habe das Gefühl, vor lauter Ungesagtem beinahe zu platzen. Ich möchte die leere Hülle, in die sich meine Existenz verwandelt hat, austauschen gegen einen vollen Kelch wahrer Begegnungen.

[1] Muriel Barbery, Die Eleganz des Igels, S. 306.

[2] Muriel Barbery, die Eleganz des Igels, S. 310.


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Kurze Reflexion über das Alter

In der letzten Zeit gehe ich kaum noch erst um elf ins Bett. Manchmal glaube ich, das Alter hat Einzug gehalten. Das sind solche Gedanken, wie man sie sich mit 27 macht. Manche von uns zumindest. Aber das ist eigentlich alles Blödsinn. Das sind solche Rechtfertigungen, wie man sie mit 27 gelernt hat, wenn man gut in Sozialkunde und in der Erziehung der Eltern zugehört hat, wie ich bemerke. Ich bin gar nicht mehr in der Lage, das zu sagen, was ich wirklich denke, weil man mir zu oft gesagt hat, dass diese Gedanken überflüssig oder zu kompliziert sind. So wie ich gelernt habe, keine Sätze mit mehr als zwei Nebensätzen zu bilden, so habe ich gelernt, wie eine Erwachsene zu sprechen. Obwohl ich bei dem Wort „Erwachsene“ doch immer noch an das Zitat von Neil Gaiman denken muss: „Es gibt keine Erwachsenen. Es gibt nur Menschen, die aussehen wie Erwachsene.“ Oder an das, was ich mit vierzehn oder fünfzehn schrieb: Sie sollten nicht Erwachsene heißen, sondern Verwachsene. Womit wir bei der ersten der vielen Fragen wären, die ich im Laufe dieser Aufzeichnungen stellen will: Ist es wirklich erstrebenswert, sich in dieses Kostüm der Allwissenden zu kleiden, seine Sätze zu verkürzen und sich in all das einzufügen, was sie einem im Laufe der Jahre lehren? Wollen wir wirklich so verkümmern, irgendwann in den Rahmen passen, nur noch klassische Musik hören und unsere wirklichen Gefühle verleugnen, denen wir irgendwann, ab dem passenden Reifegrad, die richtigen Namen geben: Wut, Trauer, Enttäuschung. Am besten vor dem passenden Therapeuten.


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Auf uns! – Zum internationalen Frauentag

In Berlin ist der internationale Frauentag seit 2019 ein gesetzlicher Feiertag, wie bereits auch in einigen anderen Ländern. Doch was feiern wir da eigentlich?

An Weihnachten feiern wir in der christlichen Welt die Geburt Jesu Christi. Am ersten Januar feiern wir den Beginn des neuen Jahres. An Ostern feiern die gläubigen Christen die Auferstehung ihres Heilands und an Pfingsten die Entsendung des heiligen Geistes. Am Tag der deutschen Einheit feiern wir das Ende der jahrzehntelangen Spaltung unseres Landes. Und am 08. März, dem internationalen Frauentag, da feiern wir – ja, was eigentlich?

Feiern wir womöglich die Tatsache, dass auch in Deutschland (und grade in Deutschland) der Pay Gap noch immer bei über zwanzig Prozent liegt? Oder feiern wir, dass hierzulande alle zwei bis drei Tage eine Frau durch partnerschaftliche Gewalt stirbt? Feiern wir vielleicht, dass noch immer nicht einmal jeder zehnte Elternzeitmonat von Vätern wahrgenommen wird und Frauen so nachhaltig in ihrer Karriereentwicklung, ihrer Persönlichkeitsentfaltung und ihrer Altersvorsorge auf der Strecke bleiben, um die gemeinsamen Kinder großzuziehen?

Oder feiern wir gar weltweite Entwicklungen, ist doch dieser Tag ein internationaler Feiertag? Vielleicht ist es ja das noch immer fortbestehende Verbot von Abtreibungen, das in weiten Teilen Asiens, Afrikas und Südamerikas immer noch gilt (und nicht nur da)? Feiern wir die Zwangsheiraten und Genitalverstümmelungen oder das gerade erst eingeführte Fahrverbot für Frauen in Turkmenistan?

Wenn man es sich recht überlegt, kann man sich vor Gründen zum Feiern kaum retten. Ja, es ist wirklich allerhöchste Zeit, die Korken knallen zu lassen.

Auf die Frauen, auf uns, auf unsere Rolle in einer Welt, wo es möglich ist, unser gesamtes Genmaterial für unter 100 Dollar in wenigen Stunden entschlüsseln zu lassen, und im einflussreichen Vatikan Frauen noch immer vom Wahlrecht ausgeschlossen sind. Auf eine Welt der Widersprüche. Auf eine Welt, wo der Präsidentschaftskandidat des sechstgrößten Landes zu einer Abgeordneten sagt, der einzige Grund, warum er sie nicht vergewaltige, sei, dass sie es nicht verdient habe. Auf eine Welt, in der dieser Mann dann tatsächlich Präsident wird. Auf eine Welt, in der jährlich fast fünfzigtausend Frauen aufgrund illegaler Abtreibungen sterben (Quelle: WHO), und zeitgleich zigtausende Frauen selbst sich gegen ihre Geschlechtsgenossinnen wenden, die für ein Recht auf freie Bestimmung über ihre Körper protestieren.

Am liebsten würde ich die ganze Flasche Schampus auf einmal trinken, um mich an nichts mehr zu erinnern.

Doch vorher gilt noch ein ganz besonderer Toast denjenigen, die immer noch glauben, sich lustig machen, die Frauenbewegung marginalisieren und kompromittieren zu müssen. Einen Toast auf alle Männer und ihre weiblichen Komplizinnen, die nicht nur nicht den Kampf um Gleichberechtigung unterstützen, sondern seine Notwendigkeit negieren. Auf all diejenigen, die meinen, es sei nicht nötig, auf die Straße zu gehen, und ihre Augen vor dem verschließen, was Tag für Tag und Nacht für Nacht passiert. Auf diejenigen, die noch immer die Schuld bei den Frauen suchen, wenn diese belästigt werden, mit einem lapidaren Verweis auf den zu kurzen Rock oder darauf, dass frau sich eben nicht hätte betrinken dürfen. Auf die ewigen Verfechter der Hysterie und die Prediger des „Stell-dich-nicht-so-an“. Und auch auf ihre Kompagnons, die meinen, man müsse über diese Dinge nicht reden und jede/r solle sich einfach verhalten, als sei er/sie gleichberechtigt. Auf die, die sich tagtäglich über gegenderte Sprache lustig machen, weil sie nicht verstehen können (oder wollen) wie sehr Sprache unser Denken beeinflusst.

Auf all jene, die noch nie nachts mit Angst unterwegs waren, denen noch nie jemand unaufgefordert an den Arsch gegriffen hat, die noch nie in eine dunkle Ecke gezerrt wurden gegen ihren Willen, die nicht Tag für Tag auf der Straße angequatscht werden, um „Komplimente“ entgegenzunehmen. Auf all die, die noch nie den stechenden Blick notgeiler Prädatoren auf sich spüren mussten oder gegen eine gläserne Decke gestoßen sind. Auf die, die noch nichts von all dem erlebt haben und trotzdem meinen, für die, die es erlebt haben, darüber richten zu können, wie schlimm oder wenig schlimm das ist und welches Recht sie haben, darauf zu reagieren. Auf die, die sich für unbeteiligt halten, weil sie selbst kleine Schwestern haben oder Freundinnen oder Mütter und schon deshalb nicht sexistisch sein können. Auf die, die blöde Sprüche als Witze verteidigen und auf die, die uns mehr Humor empfehlen. Lachen können wir, wenn es vorbei ist.

Am ersten Mai feiern wir den Tag der Arbeit. Dieser Tag steht – so der Gedanke – im Zeichen von Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit. Ein Feiertag kann also auch bedeuten, der arbeitenden Bevölkerung freie Zeit zu gewähren, um für ihre Belange auf die Straße zu gehen. Den achten März in diesem Sinne zu einem Feiertag zu machen, könnte das Bewusstsein der Menschen für die Situation der Frau in unserer Welt stärken und Gelegenheit geben einen Tag im Jahr der intensiven Auseinandersetzung mit dem Thema zu widmen.

Am ersten Mai treffen wir uns alle in Kreuzberg, um Bier zu trinken, Ecstasy zu nehmen und Autos anzuzünden. Wenn der Tag der Frau in diese Tradition eintritt, dann reiht er sich in eine lange Reihe von Almosen ein, die der Frauenbewegung hingeworfen werden, um sie abzuspeisen. Das allerdings liegt auch an uns.

Eines aber ist klar: Zu feiern gibt es nichts.

 

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By: http://ringo.zone/ – inspieriert von Femen.


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Schneematsch und Filme

Erst, als ich im Zug nach Heidelberg sitze, stelle ich fest, dass ich noch immer meine Schlafanzughose trage. Am rechten Bein ist der karierte Flanellstoff aus dem Schaft meines abgewetzten Lederstiefels gerutscht und am Saum mit Schneematsch bespritzt. Die Röte steigt mir ins Gesicht, als ich den Stoff schnell zurück in den Stiefel stopfe und meinen Mantel möglichst weit in Richtung meiner Schienbeine ziehe. Ich frage mich schon lange nicht mehr, wie mir das passieren konnte. Die Schlafanzughose im ICE ist nur einer in einer langen Reihe unzähliger unglücklicher Vorfälle, die wie ein Gewitter in den letzten Wochen über mich hereingebrochen sind. Um ehrlich zu sein, sind es genau diese Vorfälle, die mich dazu getrieben haben, heute Morgen Hals über Kopf ein Ticket nach Heidelberg zu buchen und mich auf der Arbeit krank zu melden. Ich muss einfach mal raus, andere Luft atmen, den Kopf frei kriegen. Vielleicht vertreibt dieser kleine Ausflug die Wolken, die mir seit so langem schon den Verstand vernebeln.

Ich denke an eine Serie, die ich gestern und vorgestern von Anfang bis Ende auf Netflix gesehen habe, während ich einen Vortrag für eine Konferenz hätte vorbereiten und einen Beitrag für eine Literaturzeitschrift hätte schreiben sollen. In der Serie ging es um eine depressive Schriftstellerin mit Schreibblockade. Ganz anders als in meinem eigenen Leben hatten Depression und daraus resultierende Schreibblockade dieser jungen Dame etwas geradezu Beneidenswertes an sich. Für einen Moment war ich sogar versucht gewesen, mich auch einmal in diesen Zustand hinein zu wünschen, bis mir aufging, dass ich mich in genau diesem Zustand befand. Nur eben nicht auf Netflix, sondern in der schnöden Realität. Und das schon seit Monaten.

In amerikanischen Serien sehen die von psychischen Krankheiten geplagten Intellektuellen aus unerfindlichen Gründen immer auf nonchalante Weise sexy aus mit ihren sanft fallenden karierten Holzfällerhemdchen und den lose hochgesteckten Haaren. Ich dagegen komme seit Wochen kaum mehr aus dem Pyjama, wie man am heutigen Zugmissgeschick eindrucksvoll erkennen kann. Die Haare habe ich mir in einem Anfall von Selbsthass kurz geschnitten, da ich mit dem Waschen nicht mehr hinterherkam und Körperpflege ohnehin zu einer kaum mehr zu bewältigenden Aufgabe geworden ist. In Hollywood-Movies erleben die von Kreativitätsflauten und Suizidgedanken Geplagten die wildesten Abenteuer während ihrer Downs. Anstatt zu schreiben, wanken sie von einer fancy Cocktailparty auf die nächste und brechen am Ende phänomenaler Nächte auf irgendwelchen Wolkenkratzerdächern mit Blick über die gesamte in Sternenlicht getauchte Großstadt in den Armen des Boyfriend-to-be in entzückende, mascarafreundliche Tränen aus. Sie schütten Ken ihr Barbieherz aus und er zaubert irgendein kitschiges, lebensveränderndes Zitat aus den Siebzigern aus dem Ärmel, das allen Kummer vergessen sein lässt und die Welt zurück in die Fugen hebt. Ich dagegen sage seit Wochen kaum noch ein Wort und erschrecke beim Klang meiner eigenen Stimme, die aufgrund des halben Päckchen Tabaks, das ich täglich rauche, einen kratzigen Klang angenommen hat. Anstatt meine Depression mit sündhaft teuren Cocktails aus farbenfrohen Strohhalmen wegzunippen und dabei mit tränenverschleiertem Blick auf die New-Yorker-Skyline zu starren, ersäufe ich sie jeden Abend mit drei Litern Billigbier alleine an meinem Fenster, wo ich mir den Arsch abfriere, weil ich mich nicht dazu durchringen kann, den Hausmeister anzurufen und ihm zu sagen, dass die Heizung kaputt ist. In meinem Zimmer stapeln sich leere Fast-Food-Verpackungen neben angebissenen Broten und vollen Aschenbechern. Kein Prinz-Charming würde auch nur einen Fuß in meine Höhle setzen, um mir zur Hilfe zu eilen.

Und im Gegensatz zu den Netflix-Depressiven, denen im dunkelsten Moment die Erleuchtung kommt, die zum künstlerischen Durchbruch und damit zum ewig ersehnten Book-Deal führt, ist die einzige Erleuchtung, die ich in den letzten Wochen hatte, die folgende: Ich habe keinerlei Interesse am Schreiben oder an irgendetwas sonst. Das mit dem Schreiben war eine Schnapsidee, so wie alle übrigen Ideen, die ich in Bezug auf die Verwendung meiner Lebenszeit bisher hatte, um die gähnende Leere in meinem Inneren zu überdecken. Jedes Wort, das ich aufs Papier bringe, ist eines zu viel. Und selbst wenn irgendjemand das lesen wollte, was ich schreibe, was würde das für einen Unterschied machen?

Der Nihilismus hat mich also eingeholt. Netflix hat mir ins Gesicht geschlagen und mich angeschrien, dass das Leben kein Märchen ist. Und ich – vor der Entscheidung stehend, ob ich mich lieber aus dem Fenster meines verkommenen Appartements im vierten Stock stürzen oder die Einladung einer Freundin zu ihrem dreißigsten Geburtstag nach Heidelberg annehmen soll – habe brav in ganz nihilistischer Manier gedacht: Ob ich sterbe oder nach Heidelberg fahre, ist auch egal. Und so bin ich hier gelandet, im Großraumabteil in schlammbespritzter Schlafanzughose. Mein Koffer liegt irgendwo über mir in einem der Kofferfächer. Ich hoffe, ich habe daran gedacht, Unterwäsche einzupacken. Und eventuell auch eine richtige Hose. Genau kann ich das nicht sagen, mein Erinnerungsvermögen leidet beträchtlich unter der Depression.

Wären wir in einem Film, so würde sich jetzt jemand neben mich setzen. Ein gut aussehender, inspirierender Typ, der direkt durch mich hindurch schauen könnte, um innerhalb eines wilden Wochenendes in Heidelberg mein Leben zu verändern. Aber wir sind nicht im Film. Immerhin setzt sich jedoch einfach niemand neben mich, der meine Schlafanzughose argwöhnisch beäugen könnte. Und als der erste Ruck durch den Zug geht und dieser langsam aus dem Bahnhof rollt, atme ich tief durch. Vielleicht ist dieser Ausflug gar keine so schlechte Idee. Als der Zug zwei Stationen von Berlin entfernt ist, ziehe ich mein Notizbuch aus der Tasche. Nichts hat sich geändert. Ich habe keinen Geistesblitz. Ich habe keine plötzliche Idee für eine Geschichte, deretwegen mein wochenlanges Martyrium sich gelohnt hätte. Aber draußen vor dem Fenster rauschen bald schneebedeckte Hügel vorbei und zwischen den Wolken bricht für einen kurzen Augenblick die Sonne hervor. Also schlage ich eine leere Seite auf und beginne, zu beschreiben, was ich sehe. Ich habe kein Plot, keine Handlung, keinen Clou. Ich schreibe einzig und allein das auf, was ich sehe. Und trotzdem, nach ein paar Metern und einigen Sätzen fühle ich mich leichter.

Es stimmt. Das Leben ist kein Film. Aber das muss es auch nicht sein.

 

 

 


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Gut angekommen

Als ich die Tür hinter mir zuziehe, überwältigt mich die Stille. Ich trete ans geöffnete Fenster und spüre den kalten Luftzug auf meiner Haut. Draußen fällt der Schnee in dicken, weichen Flocken. Kein Geräusch dringt von der Straße nach oben. Nur einmal höre ich kurz, wie einer von euch im Bad das Wasser an und dann wieder ausstellt. Es folgen Schritte. Eure Schlafzimmertür schließt sich. Einen Augenblick lang noch dringen eure Stimmen zu mir herüber, dann ist auch das vorbei. Vorsichtig streife ich mir die Kleider vom Körper und ziehe mir ein Nachthemd über. Dann krieche ich zwischen die Decken des Gästebetts, das ihr mir vorbereitet habt. Die Laken sind flauschig und mir wird augenblicklich warm, als ich meinen Kopf in den Daunenkissen vergrabe und die Knie an den Körper ziehe. Mit geöffneten Augen liege ich da, spüre den fremden Stoff auf meiner Haut und lausche in die Stille eurer Wohnung hinein. Bilder des Abends wiederholen sich in meiner Erinnerung. Jasper schlingt seine kleinen Ärmchen um meine Beine, als ich mit meinem Koffer in den Flur trete. Tom trägt einen großen Topf Pasta ins Wohnzimmer und öffnet eine Flasche Wein. Abwechselnd schiebt ihr ein paar Nudeln in Jaspers verschmierten Mund, während er unaufhörlich plappert und kaum zu bändigen ist vor Aufregung darüber, dass ich da bin. Als er schließlich schlafend in seinem Bettchen liegt, sitzen wir zu dritt auf eurem Sofa und erzählen Geschichten, von früher, von jetzt, von der Zukunft. Tom sieht dich auf eine Weise an, wie mich vielleicht noch nie jemand angesehen hat. Mir ist wohlig zumute vom Wein und eurer Gesellschaft. Ich komme zur Ruhe bei euch, in eurer Gesellschaft. Eurer Leben ist gleichmäßig, in euren Räumen hat alles einen festen Platz und eine bestimmte Zeit. Ich entspanne mich und zum ersten Mal seit Wochen hat beim sanften Licht eurer Wohnzimmerlampe mein Kopf aufgehört sich zu drehen. Nur jetzt, kurz vorm Einschlafen, während ich den Geruch der frischen Bettwäsche einsauge und versuche, mein Herz langsamer schlagen zu lassen, durchfährt mich kurz ein Gefühl, von dem ich nicht genau sagen kann, was es ist. Ich drehe mich noch einmal zur Bettkante und angle mit einer Hand mein Handy vom Fußboden. Keine neuen Nachrichten. Ich weiß auch nicht, worauf ich eigentlich gewartet habe. Schlaf, beschwöre ich mich und lege mein Bein über eines der großen, weichen Kissen. Dann schließe ich die Augen und denke ans Meer, bis sich das imaginäre Rauschen der Wellen schließlich mit meinem eigenen Atem vermischt.

Ein anderer Monat, eine andere Stadt, andere Menschen. Ihr beide habt vor ein paar Monaten geheiratet. Ich war dabei und habe abgesehen von einigen verschwommenen Kindheitserinnerungen meine erste Hochzeit erlebt. Viele Menschen, viel Musik, viel Alkohol und vor allem eine Menge Essen und ein Toast nach dem anderen. Nichts für mich, denke ich. Oder doch? Heute bin ich zum ersten Mal zu euch in eure neue Wohnung gefahren. Ihr habt es euch bereits gemütlich eingerichtet. Als ich ankomme, stellt mir Paul als erstes einen Teller heißer Suppe hin, denn ich bin vollkommen durchgefroren. Ihr zeigt mir die Pflanzen, die ihr diese Woche erstanden habt, in einem besonderen Blumentopf, der irgendwas zur Sauerstoffproduktion beitragen soll. Zuerst fühle ich mich fremd und weiß mit alledem, mit eurer Häuslichkeit und eurem Erwachsenenleben wenig anzufangen. Dann aber packen wir unsere Sachen und fahren in euer Fitnessstudio, in dem ihr Zutritt zu einem riesigen Saunabereich habt. Ich sitze zwischen euch in einem grünen Bademantel, den ihr mir geliehen habt, wir trinken heißen Tee mit viel Zucker aus großen Gläsern und unterhalten uns über damals, als wir gemeinsam studiert haben. Am Abend kommen weitere Freunde von früher. Wir kochen und beinahe fasziniert betrachte ich eure Gewürzsammlung. Ich denke an meine eigene Küche, in der außer Salz und Pfeffer und getrocknetem Oregano nichts zu finden ist, während Paul eine riesige Schüssel Salat auf den Tisch stellt und mir ein Glas Bier in die Hand drückt. Die ganze Küche ist erfüllt von Lachen und fröhlichen Stimmen. Als die Gäste gegangen sind, zieht ihr mir die Schlafcouch im Wohnzimmer aus. Ihr drückt mir ein riesiges Handtuch in die Hand und fragt, ob ich noch etwas brauche. Ich schüttele den Kopf und umarme euch beide. Wie schön es ist, bei euch zu sein. Dann schließe ich die Tür hinter euch und suche in meinem Koffer nach meinem Pyjama. Weil ich ein wenig friere, schlage ich noch eine der Wolldecken, die am Fußende des Bettes liegen, über die dünne Sommerdecke, die ihr mir gegeben habt. Dann liege ich auf dem Rücken und blicke in die Dunkelheit. Ich fühle mich gut aufgehoben. Der Gedanke, dass ihr im Zimmer nebenan in eurem Ehebett liegt und wir uns morgen in der Küche zum Kaffee treffen werden, beruhigt mich. Trotzdem will der Schlaf nicht gleich kommen. Aus irgendeinem Grund denke ich an euer Auto und an die Fußmatte vor eurer Tür. Ich denke an die zwei Zahnbürsten, die nebeneinander in eurem Zahnputzbecher stehen. Ich denke daran, wie ihr den Abwasch macht, so aufeinander eingespielt, als hättet ihr nie irgendetwas anderes gemacht. Ich denke daran, wie ihr euch neckt und manchmal auch streitet, sogar vor mir, und wie ich dennoch dabei nie auch nur einen einzigen Augenblick ein unangenehmes Gefühl im Bauch habe. Wieder wandert meine Hand wie von einer fremden Kraft gesteuert zu meinem Handy, das neben mir auf der Matratze liegt. Ich habe neue Nachrichten auf Instagram. Mit einem leisen Seufzer lege ich das Telefon weg und rolle mich auf den Bauch. Euer Leben wäre nichts für mich, denke ich. Ich will nicht, dass es etwas für mich wäre. Ich will es nicht wollen, denn ich weiß nicht, ob ich es jemals werde haben können.

Ich schlafe in fremden Betten. In Gästebetten. Manchmal sind sie weich, manchmal sind sie hart. Manchmal friere ich ein wenig in der Nacht und manchmal werfe ich die Decken im Schlaf von mir. Morgens tapere ich verschlafen in Küchen und der Kaffee wird mir von euch, meinen Freunden, hingestellt. Ich lache mit euch und begleite euch bei den Dingen, die ihr tut. Ihr seid entzückend zu mir und am Ende verlasse ich euch manchmal mit Tränen in den Augen. Ich würde euch für nichts auf der Welt eintauschen. Die Besuche bei euch sind erleichternd, bereichernd, erwärmend. Nur in den Sekunden, in denen ich abends auf euren Sofas, in euren Betten, auf euren Matratzen liege, während ihr ein Zimmer weiter schlaft und wisst, dass ihr Zuhause seid, wandert meine Hand unweigerlich zu meinem Handy, als gäbe es dort irgendetwas zu entdecken. In diesen Momenten, kurz vorm Einschlafen, wenn mein ruheloser Geist wieder die Oberhand gewinnt, erkenne ich, was ich mir wünsche: Vielleicht will ich euer Leben nicht, vielleicht wäre es nichts für mich, vielleicht noch nicht. Aber ich wünsche mir doch, dass es jemanden auch in meinem Leben gäbe, dem ich, wenn ich auf meine kleine Reisen gehe, diese eine Nachricht schreiben könnte: Ich bin gut angekommen.


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Cuando te vas

Cuando te vas voy a saberlo

El tiempo respirará hondo

Y parará por segundos

Y la capa de nubes que tapaba la luz

Se romperá a liberar un rayo

De sol como un último saludo

 

Cuando te vas voy a saberlo

Pasarás por las copas de los árboles

Susurrando en palabras desconocidas

Que sólo los anos me podrán ensenar

Y mandarás los aves de paso

A volar

 

Cuando te vas voy a saberlo

Se caerá la última hoja colorada

Del último tronco otonal

Y con ella el mundo se acostará

A dormir y descansar

Hibernando todo un invierno

 

Y cuando se despierte

En unos meses de acá

Cuando vuelve el calor

A acariciar mi cuello

Cuando renazcan los crocos y muguetes

Cuando regresen los pájaros

 

Estarás entre ellos

Invisible, pero tocable

Tranquila, pero presente

Diferente, pero sonriendo

Y voy a saber

Que nunca te fuiste.

 


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El cancer

Crece como un cancer
Lento y tranquilo
Sin que nadie se de cuenta

Te quita la vida con un cuchillo
Por defender la fe que tenias
En lo que es justo

Destruye los homenajes
A los que luchaban
Por el amor burlándose de ellos
(Y ellas)

Tira piedras a los que no saben
De ninguna culpa
Gritando con una ira animal

Crece como un cancer
El odio que envenena los almas
Y se difunde por el viento

El olvido está inmenso
Y suelta siempre los mismos argumentos
(Que fingimos nunca haber escuchado antes)

Su arma es el miedo
Que nos roba la fuerza
De pensar (y de amar)

Tranquilo crece,
Tranquilo e invisible
Tranquilo nos infiltra

Como los intestinos
Del caballo troyano
A matar sin ruido

Y de los que levantan la voz
La mayoría se ríe
Y si hablan muy alto
Les hacen algo peor

Dormimos en paz
Sin preocupaciones
Lejos (pensamos) del peligro

Y no sentimos como nos infiltra
El cancer, como entra
En nuestros vasos y ganglios

Como se mueve por nuestra sangre
Hasta que los sueños
Se convierten en pesadillas

Y una mañana cuando abrimos los ojos y finalmente vemos
(Porque antes éramos ciegos)

La pesadilla se habrá hecho
Verdad.